Archiv der Kategorie: Priedis

Gedanken zum 5. Fastensonntag A (Joh 11:1-45)

von Pfarrer Mathew Kurian

Am 5. Fastensonntag schliessen wir die Trilogie der Anweisungen aus dem Johannesevangelium für Katechumenen ab. Die Evangeliumstexte der letzten beiden Sonntage konzentrierten sich auf Wasser (Joh 4) und Licht (Joh 9). Heute liegt unser Fokus auf dem Leben (Joh 11). Diese drei Erzählungen, die sich auf die drei Elemente konzentrieren, finden wir auch im Aufbau der Osternacht, die sich ja auch um Wasser, Licht und neues Leben drehen wird. Diese drei Elemente weisen einfach auf Christus hin, die Quelle des Lebens.

Das heutige Evangelium ist ein Zeichen, das Jesus gegeben hat, um seine Identität zu offenbaren: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh 11:25). Die Kirche erinnert uns daran, dass der Geist Gottes unserem sterblichen Körper Leben gibt. Derselbe Geist wird Christus am Ostertag auferstehen lassen. Er ist derjenige, der das Leben jedes Kindes Gottes verändert. So wie Jesus den toten Lazarus einlädt, sich zu neuem und reichem Leben zu erheben, lädt er auch uns ein: „Lazarus, komm heraus!“ (Joh 11:43).

Es gibt einige Dimensionen, die wir im heutigen Evangelium betrachten müssen.

Ausdruck der Liebe!

Der Evangelist Johannes macht sehr deutlich, dass Jesus Martha, Maria und Lazarus liebt. Jesus blieb bei ihnen, als er in Bethanien war. Eines Tages, als Lazarus krank war, sandten die beiden Schwestern eine Nachricht an Jesus: „Herr, dein Freund ist krank.“ Dies war nicht nur eine einfache Nachricht; es war ein Gebet. Jesus ist ihre letzte Hoffnung.

Die Realität der Menschheit des göttlichen Sohnes ist nirgends so leicht zu erfassen wie hier. Wir sehen jetzt die sehr menschliche Seite von Jesus. Jesu Liebe ist real und sein Leid über den Tod von Lazarus ist real. Als er sie alle weinen sieht, war er selbst berührt und tief bewegt. Und als er zum Grab ging, „da weinte er.“ Einige Leute kommentierten: „Seht, wie lieb er ihn hatte.“ Natürlich gab es die unvermeidlichen Zyniker, die fragten, warum Jesus Lazarus nicht am Sterben hindern konnte.

Sicherlich hätte Jesus Lazarus bereits aus der Ferne heilen können, wie er dies auch bei anderen Gelegenheiten getan hat. Ein Wort von Jesus hätte genügt und Lazarus wäre gesund geworden. Davon waren auch beide Schwestern fest überzeugt. Dennoch hat Jesus zugelassen, dass Lazarus stirbt. Das liegt nicht daran, dass er Lazarus nicht liebte. Diese Verzögerung war für die Geschichte von wesentlicher Bedeutung, damit „durch sie der Sohn Gottes verherrlicht werden” soll. Je länger Jesus blieb, desto grösser würde sich die Herrlichkeit Gottes durch das kommende Wunder manifestieren. Jesus will unser Augenmerk nicht auf Wunder lenken. Er will, dass wir durch Wunder seine Vollmacht als Gott erkennen.

Voraussetzung für Wunder!

Als Jesus das Haus erreichte, eilte Martha ihm entgegen, während Maria im Haus trauerte. Bei der Begegnung mit Jesus sagt Martha: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben“ (Joh 11:21-32).Sie hat grosses Vertrauen in Jesus und ist sich seiner Heilkräfte bewusst, aber wagt es nicht, darüber hinauszugehen.

Dann folgt ein schöner Dialog, den wir oft in Trauermessen verwenden: „Dein Bruder wird auferstehen“, sagt Jesus. „Ich weiss, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag“, antwortet Martha und bezieht sich auf den relativ jungen jüdischen Glauben an ein Leben nach dem Tod. „Ich bin die Auferstehung und das Leben“, sagt Jesus.

Dies ist die Kernaussage der ganzen Geschichte und eine der sieben grossen „Ich bin“ – Aussagen im Johannesevangelium. Und Jesus erklärt weiterhin seine Bedeutung: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ Mit diesen Worten bekräftigt Jesus nicht nur, dass das Leben über das Grab hinausgeht, sondern auch, dass das Leben, das er gibt, hier und jetzt für alle beginnt, die seinen Weg annehmen und sich ihm vollständigangleichen. Dies war eine perfekte Gelegenheit, um den Glauben der Jünger zu stärken. 

Martha wird dann gefragt, ob sie das glaubt und sie antwortet grossartig: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ Hier ist ein grosses Glaubensbekenntnis einer Frau.

Lazarus, komm heraus!

Als Jesus am Grab ankam, befahl er, den Stein am Eingang zu entfernen. Das hat sicherlich Marthas Aufmerksamkeit erregt und sie hat dagegen protestiert. Da Jesus wusste, dass Martha immer noch nicht verstand, was er vorhatte, sagte er zu ihr: „Habe ich dir nicht gesagt, wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?” Nachdem der Stein vom Eingang entfernt worden war, dankte Jesus dem Vater dafür, dass er sein Gebet erhört hatte. Danach rief Jesus mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“

Zum Erstaunen aller tauchte Lazarus aus dem Grab auf, immer noch in Grabtücher gewickelt. „Seine Hände und Füsse waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweisstuch verhüllt.“ Lazarus lebte zwar, aber mit welchen Einschränkungen? Die Binden hinderten ihn am Gehen. Die Tücher raubten ihm die Sicht. Deshalb gibt Jesus den Auftrag: „Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen!“

Durch den Tod von Lazarus erkannten die Menschen, dass Jesus die Macht über Leben und Tod hat, dass er tatsächlich der verheissene „Messias“ ist. Viele, die die Auferstehung von Lazarus miterlebten, kamen zum Glauben an Jesus.

Nicht nur Lazarus ist auferstanden. Auch die beiden Schwestern sind von ihrem geistlichen Tod zu einem neuen geistlichen Leben erwacht. Der leibliche Tod kann nur unser menschliches Leben vernichten. Das ewige Leben erhalten aber alle Menschen, die an Jesus Christus glauben. (Röm 6:23) Jesus schenkt jedem, der an ihn glaubt ein ewiges Leben, ein Leben das über unser Sterben hinausreicht.

Liebe Schwestern und Brüder, nichts im Leben ist sicherer als der Tod. Dennoch fragen viele Menschen: „Was ist nach dem Tod?“ Warum überhaupt die Frage? Vielleicht wegen der Unsicherheit darüber, was dahinter liegt. Vielleicht, weil der Tod das Ende unserer Pläne und Bestrebungen im Leben ist. Oder vielleicht, weil wir die unumstösslichen Anzeichen unserer Sterblichkeit, nämlich Krankheit, Schmerz und Verschlechterung, einfach nicht akzeptieren können – physisch, emotional und psychisch.

Gott lässt in unserem Leben mancherlei zu, was wir nicht verstehen. Nicht immer sind unsere Pläne deckungsgleich mit Gottes Plänen. Durch den Propheten Jesaja lässt uns Gott kundtun: “Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege, Spruch des Herrn. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken” (Je 55:8-9). Amen.

Gedanken zum 4. Fastensonntag Lesejahr A (Joh 9:1-41)

von Pfr. Mathew Kurian

Das Evangelium vom 4. Fastensonntag lädt uns ein, über die Begegnung zwischen Jesus, dem blind geborenen Mann, seinen Eltern und den Pharisäern nachzudenken, damit wir Jesus als das Licht der Welt erleben können. Licht erhellt Dunkelheit; es lässt uns Möglichkeiten erkennen.

Sünde und Krankheit!

Jesus und die Jünger sehen den Blinden von Geburt an und die Jünger wollen wissen, ob die Blindheit des Mannes eine Folge seiner persönlichen Sünde oder die Sünde seiner Eltern ist? Mit anderen Worten, hat dieser Mann eine Sünde begangen, als er sich noch im Mutterleib befand, wodurch er blind geboren wurde? 

Wer hat gesündigt? Wo ist die Sünde?

Wer hat gesündigt, dass so etwas passieren konnte? Ja, für sie ist es sonnenklar: Diese Behinderung, dieses Unglück, das kann nur die Strafe Gottes sein für eine Sünde. Dieses Denken ist uns gar nicht so fremd. Wie oft haben wir nicht auch schon gefragt: Was habe ich falsch gemacht, dass ich so von Gott gestraft werde?

Jesus Jünger sind besorgt oder glauben, dass, wenn jemandem etwas Negatives passiert ist, es das Ergebnis einer individuellen Sünde sein muss. Wir wollen eine Antwort auf menschliches Leiden finden und diese Antwort ist Sünde, aber es ist nicht immer Sünde. Wenn es große Schwierigkeiten oder Leiden gibt, muss es eine individuelle Ursache geben. 

Jesus bringt den Jüngern klare Sicht!

Jesus sieht das anders. Für ihn geht das Denken seiner Jünger in die ganz falsche Richtung. Was diese Männer da im Kopf haben, das ist nicht sein Gott. So wie sie von Gott denken, ist das nicht sein Vater. Ein anderes Gottesbild – Gott, der straft und hinrichtet?

Ein Mann wird blind geboren. Dies war weder eine Folge der Sünde seiner Familie noch seiner eigenen. Aber es war so, dass das herrliche Werk Jesu in seinem Leben gezeigt werden konnte. Dies ist geschehen, dieser Mann hat sein ganzes Leben in Blindheit verbracht, und jetzt gibt es diesen Moment, wo das Werk Gottes in seinem Leben so offensichtlich sein wird, dass die einzige Erklärung für seine Heilung ist – „Gott hat es getan“.

Die Jünger sehen einen Mann leiden und sehen nur Sünde, Jesus sieht einen Mann leiden und sieht nur die Möglichkeit für Gott, in seinem Leben zu wirken. Jesus sieht Hoffnung. Wo können wir Gottes Werk inmitten des Leidens sehen? Welchen Trost können wir haben, wenn Gottes Absichten weniger klar sind? Gott bringt Sicht!

Jesus bringt dem Blinden physische Sicht!

Dieser Blinde hört die Worte Jesu an die Jünger. Wahrscheinlich wurde ihm sein ganzes Leben lang auf irgendeine Weise gesagt, dass seine Blindheit ein Urteil oder ein Zeichen Gottes ist, weil er ihm missfällt. Und jetzt hört er, dass es für seine Blindheit einen anderen Zweck und einen anderen Grund gibt.

Gott ist nicht einfach böse auf ihn als Sünder. Er ist ein Gott, der im Leben derer arbeiten kann und tut, die ihn brauchen.Der Mann wird von Jesus dort getroffen, wo er ist. Jesus arbeitet daran, Heilung zu bringen.

Also heilt Jesus den Mann. Und beachtet, wie er es macht. Er macht etwas Schlamm mit seinem Speichel, salbt die Augen des Mannes damit und schickt ihn mit einem Wort weg: „Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach“ (Joh 9:8). Der Mann wäscht sich und kommt sehend zurück. Jesus Christus ist das Licht der Welt. Er bringt Licht dorthin, wo es dunkel war.

Körperliche Blindheit ist schlecht, aber geistige Blindheit ist schlimmer. Bei körperlicher Blindheit können andere Sinne dies ausgleichen, so dass die Person sich noch fortbewegen und leben kann. Bei geistiger Blindheit gibt es keine anderen Sinne, die kompensiert werden könnten. Verdunkelte Augen, verdunkelte Gedanken – Jesus wird sie beide erleuchten.

Befragung vertiefen die Sicht!

Obwohl die körperliche Schwäche des Mannes sofort wiederhergestellt wird, sein geistiger Anblick dauert länger. Der Mann wusste zu diesem Zeitpunkt anscheinend nicht viel über Jesus, außer dass er ihn heilte. Im Verlauf der Geschichte können wir sehen, wie seine Vorstellungen von Jesus allmählich klarer werden.

Infolge ihrer beharrlichen Inquisition hinterfragt er seine eigene Gleichgültigkeit. Als sie ihn fragten: „Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet?“, Antwortete der Mann: „Er ist ein Prophet“ (Joh 9:17). Er widersetzt sich der Ansicht der religiösen Führer, dass Jesus ein Sünder ist und sagt: „Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können“ (Joh 9:33). Und am Ende der Geschichte glaubt er, dass Jesus „der Menschensohn“ ist.

Dieser Mann hatte getan, was richtig war, aber er wurde immer noch von den Pharisäern vertrieben. Seine Eltern haben Angst. Wenn sie Anzeichen des Glaubens an Jesus zeigen, laufen sie Gefahr, aus der Synagoge ausgeschlossen und aus ihrer Gemeinde ausgeschlossen zu werden. Allein, verlassen, bleibt er seiner inneren Überzeugung treu.

Jesus hörte, dass sie ihn vertrieben hatten. Jesus suchte den Mann auf und offenbarte sich ihm. Was für ein Treffen! Jesus hatte ihm sein Augenlicht gegeben, ihm aber später echte Schwierigkeiten bereitet, so viel Herzeleid, Schmerz, Trennung von seiner Familie, Vertreibung aus seiner Gemeinde. Für das Geschenk des Glaubens ist ein Preis zu zahlen. Der Glaube wächst inmitten von Prüfungen. Jesus hat die Augen des Mannes geistig geöffnet. Die Belohnung für die Frömmigkeit ist eine Beziehung zu Gott.

Jeder hat eine einzigartige Geschichte!

Jesus hätte diesen Mann mit einem Wort vollständig heilen können. Warum durchläuft der Blinde diesen aufwändigen Prozess? Jesus geht einfach auf etwas andere Weise auf jeden Menschen zu. Manche heilt er mit einem Wort, manche mit einer Berührung, manche beten vorher, manche nicht. Einige werden aus der Ferne geheilt, andere sehr nahe. Einige privat, andere öffentlich. Was wir hier haben, ist ein weiteres Beispiel für eine sehr einzigartige und persönliche Begegnung mit Jesus Christus. Genau wie dieser Mann hat jeder von uns, der den Namen Jesu Christi beansprucht, eine einzigartige und persönliche Geschichte – da sollen wir auch die Fragen beantworten: „Wie triffst du Jesus? Wie reagierst du auf ihn?“

Meine lieben, diese Geschichte ist reich an Symbolen: Licht und Dunkelheit, Sehen und Blindheit, Erleuchtung und Taufe. Im Fall des blind geborenen Mannes sahen die frühen Christen einen Zusammenhang zwischen Johannes 9 und der Taufe. Die Heilung fand in Schiloach statt – der Heilkraft des Wassers. Der heilige Augustinus erklärt: „Er wurde in Christus getauft“. Die Salbung und die Verwendung von Speichel, die dem Waschen vorausgingen, spielten ebenfalls eine Rolle bei seiner Heilung und wurden Teil der Taufzeremonie.

Gedanken zum 3. Fastensonntag Lesejahr A – (Joh 4:5-42)

vom Pfr. Mathew Kurian, Disentis

Das heutige Evangelium lädt uns ein, über die Geschichte der Begegnung zwischen Jesus und der Samariterin nachzudenken, damit wir Jesus als lebendiges Wasser erleben können. Da ist Jesus unterwegs und zieht durch das Gebiet der Samariter. Die Samariter wurden von den Juden als Ungläubige betrachtet. Und wer das Land der Ungläubigen betrat, machte sich selbst auch unrein. Jesus, als ein Jude, betritt nicht nur das Land, sondern bittet sogar noch eine Samariterin in der Mittagshitze um einen Schluck Wasser.

Der leere Wasserkrug: Der Durst! 

Es ist wichtig, auf die einleitenden Worte der Begegnung zwischen Jesus und der Samariterin zu achten. Es war die sechste Stunde – um 12 Uhr. Welche Frau einer traditionellen Kultur geht zum Brunnen, um mittags in der heißen Sonne Wasser zu schöpfen? Normalerweise holen sie Wasser entweder morgens oder abends gegen Sonnenuntergang. Wenn diese Frau nun selbst kommt, dann heißt das, dass sie nicht unbedingt auf andere Leute treffen will. Wir könnten also annehmen, dass die Samariterin entweder faul war oder anderen Frauen und ihren Gerüchten aus dem Weg ging, wahrscheinlich wegen ihres Lebensstils. Anscheinend hat sie nicht den besten Ruf. Sie ist ein Bild einer verwundeten Person-verwundet durch Beziehungen.

Sie ist gekommen, um Wasser zu schöpfen. Der leere Wasserkrug, den sie trug, wird dann zu einem Symbol ihrer eigenen inneren Leere. Sie versuchte, diese mit ihrer zweifelhaften Beziehung zu Männern zu befriedigen. Die innere Leere wurde aber nicht gefüllt. So könnte ihr Durst nach Wasser ein Symbol für ihren inneren Durst nach Gott sein, der sie zu Jesus ziehen wird.

Dies ist unsere eigene Geschichte. Wir sind auch verwundet. Wir sind durstig und versuchen die innere Leere tief in uns mit den Dingen der Welt zu füllen: Vergnügen, Macht und Besitz. Die Akzeptanz des Durstes ist der Beginn unserer christlichen Lebensreise. Da erzählt Jesus von diesem lebendigen Wasser, das nicht nur den alltäglichen Durst des Menschen stillt, sondern auch den Durst nach gelingendem, heilem und ewigem Leben.

Brunnen: Das Schild und die Einladung!

Uns wird gesagt, dass Jesus von Judäa nach Galiläa reiste und durch Samaria gehen musste. Der Ort der Begegnung war ein Brunnen. Wir könnten vielleicht sagen, dass Jesus tatsächlich am Brunnen auf diese Frau wartete. Und allein! „Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen“ (Joh 4:8). In einigen traditionellen Gesellschaften ist der Brunnen ein sehr wichtiger Ort für eine Begegnung, insbesondere zwischen jungen Männern und Frauen.

Im Alten Testament begegneten viele Patriarchen ihren zukünftigen Bräuten am Brunnen. Der Knecht Abrahams traf Rebekka, die zukünftige Frau von Isaak, an einem Brunnen (Gen 24:10-67). Jakob verliebte sich in Rahel am Brunnen (Gen 29:1-17). Ex 2:15-21 beschreibt, wie Mose seiner zukünftigen Frau Zippora an einem Brunnen begegnet.

Also, was hatte Jesus vor? Kein Wunder, dass die zurückkehrenden Apostel „überrascht waren, dass er mit einer Frau sprach“ (Joh 4:27). Können wir dann sagen, dass diese Passage uns kraftvoll sagt, dass Jesus wie ein Bräutigam ist, der sich auf uns als seine Bräute beziehen möchte?

Mit der Samariterin, die zum Brunnen kam, ist es Jesus, der die Begegnung initiiert. Es ist Gott, der uns zu ihm zieht, indem er in uns den Durst nach Transzendenz legt. Gott hat uns mit Verstand und Willen geschaffen, und er erwartet, dass wir diese Fähigkeiten nutzen, um auf ihn zuzugehen. Sobald wir eine Entscheidung getroffen haben, führt  uns Gott durch die Reise, indem er Hinweise gibt, die uns den Weg zeigen, den wir gehen müssen. Die Bitte Jesu an die Frau am Brunnen: „Gib mir zu trinken“ (Joh 4:7) ist der Vorschlag, den Gott jedem Menschen macht. Es ist seine Einladung, eine Beziehung mit ihm einzugehen.

Gespräch: Die Reise

Ein Glaubensgespräch – nicht in einem geschützten Raum, nicht in einem Gotteshaus, sondern an einem Brunnen, mitten auf der Straße, mitten unter den Menschen. Ein Gespräch, das heilt und Gottes Erfahrung bringt!

Die Erfahrung Gottes kommt oft in Stufen. Es ist eine Reise. Dies galt auch für die Samariterin. Als Jesus einen Dialog mit ihr aufnahm, war ihre unmittelbare Reaktion: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?” (Joh 4:9). Diese Ablehnung kommt von ihrem verwundeten Selbst.  Sie betrachtet Jesus als einen Mann – einen Juden. Und wenn Jesus über Wasser spricht, denkt sie an normales Trinkwasser. Aber Jesus hat einen Plan für sie. Er wird nicht aufgeben. 

Ein interreligiöser Dialog – ohne Angst!

Glaubensvolles Handeln – nicht nach gesetzlichen Vorgaben und Bestimmungen, sondern einfach nach dem Herzen. Handeln ohne Grenzen, gegen alle Vorschriften – und genau das bewirkt das Heil.

Wenn Jesus sie auf persönlicher Ebene herausfordert und sie einlädt, tiefer zu gehen, erfährt sie Jesus tiefer: „Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist“ (Joh 4:19). Dabei interessiert sie sich für theologische Wahrheiten (Joh 4:20). Da erhielt sie eine neue Glaubenserfahrung und auch eine tiefe Erleuchtung; dann sagte sie: „Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus). Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden“ (Joh 4:25). Dies ist der Moment der Selbstoffenbarung Jesu gegenüber ihr: „Ich bin es, ich, der mit dir spricht“ (Joh 4:26). Dies ist der Höhepunkt der Begegnung zwischen der Frau und Jesus. Da spürt die Frau plötzlich: Da ist einer, der kennt mich genau. Er weiß, wie ich bin, er kennt meinen Lebenswandel, aber er verurteilt mich nicht. Er nimmt mich an in all meiner Not und Verzweiflung. Er schaut mich an in Güte und Liebe.

Wasser: Die Begegnung

Die ganze Geschichte der Samariterin dreht sich um das Thema Wasser. Es erinnert uns an das Wasser, das während der Taufe auf uns gegossen wurde. Aber es gab keinen Wasseraustausch. Das lebendige Wasser, von dem Jesus spricht, ist er SELBST. Und dieses Wasser zu empfangen bedeutet, IHN als den Sohn Gottes zu erfahren.

Die Samariterin scheint die Antwort auf all ihre Fragen gefunden zu haben. Keine weiteren Fragen. Keine Worte mehr. Als Nächstes hören wir, dass die Frau bereits auf dem Weg zurück zu den Menschen ist.

Zurück zum Volk: Bekehrung und Verkündigung!

Wir kommen zum Ende der inspirierenden Begegnung von Jesus und der Samariterin mit ihrer herzlichen Bekehrung. Als sie Jesus als „ich bin“ erlebte, war der Durst der Samariterin erfüllt. Sie brauchte den leeren Wasserkrug nicht mehr: „Da liess die Frau ihren Wasserkrug stehen, ….sagte zu den Leuten ….ist er vielleicht der Messias?” (Joh 4:28). Ihre Begegnung mit Jesus machte sie frei von ihrer Sucht, ihrer Bindung, und infolgedessen kehrte sie als Botin der „guten Nachricht“ zu den Menschen zurück.

Liebe Freunde, eine Begegnung mit Jesus kann auch in unser Leben Verwandlung bringen!

Wir werden in zwei Arten der Transformation eingeführt: 

Der erste Typ ist die individuelle Transformation. (Die Transformation der Samariterin)

Der zweite Typ ist die Transformation der Gemeinschaft. (Die Transformation des Dorfes)

Auf eine authentische Begegnung folgt immer eine individuelle Transformation sowie eine Transformation der eigenen Gemeinschaft.

Gedanken zum 2. Fastensonntag Lesejahr A

vom Pfr. Mathew Kurian, Disentis

Am zweiten Fastensonntag meditieren wir über die Verklärung des Herrn auf dem Berg Tabor. Dieser Berg ist der Mittelpunkt dieses Ereignisses der Verklärung. Berge spielen im Leben Jesus überhaupt eine große und wichtige Rolle. Er geht auf die Berge, um sich zurückzuziehen, um allein zu sein, um zu beten.

Die Erzählung der Verklärung Jesu aus dem Matthäusevangelium besteht aus drei Teilen:

1. Den Berg hinaufgehen

2. Der Moment der Gnade auf dem Berg 

3. Mit den Früchten dieser Erfahrung den Berg hinunterkommen

Lasst uns über diese drei Aspekte der Evangeliumsgeschichte nachdenken und sehen, was sie für uns heute bedeuten könnten, insbesondere bei unserer Vorbereitung auf Ostern. 

1. Den Berg hinaufsteigen: Die Phase der Vorbereitung

Das Evangelium von Aschermittwoch schlug ein Programm für die spirituelle Reise der Fastenzeit vor: „Fasten, Gebet und Almosengeben“. Diese drei „Strategien“ sind nicht nur für die Fastenzeit relevant, sondern für unser gesamtes christliches Leben. Die Fastenzeit ist nur eine intensive Art, unser christliches Leben zu leben.

Daher sind Fasten, Gebet und Almosengeben Wege, um über uns hinauszugehen und unser Herz ganz auf Gott auszurichten (vertikale Dimension – im Gebet) und unsere Hände zu unseren Nachbaren auszustrecken (horizontale Dimension – in Nächstenliebe). Diese beiden Dimensionen unserer christlichen Lebensreise sind wie ein Aufstieg auf den Berg und ein Abstieg.

Was sagt uns der heutige Evangeliumstext über den Aufstieg auf den Berg etwas präziser; über das christliche Gebet?

Mindestens drei Punkte werden mir klar:

Erstens: Es ist Jesus, der „Petrus, Johannes und Jakobus mitgenommen hat und den Berg hinaufgegangen ist, um zu beten“. Es ist Gott selbst, der uns ermöglicht, ihm im Gebet zu suchen. So wie es Gott war, der Abram einlud, einen Bund mit ihm einzugehen (Gen 15:5-12), so wie es Gott war, der Mose auf den Berg einlud (Ex 24:12-18; 34:2), so wie es Gott war, der Elija auf den Berggipfel einlud (1. Kön 19:11-13), ist es Gott, der uns einlädt, im Gebet eine Beziehung mit ihm einzugehen.

Zweitens: Im Gegensatz zu den alttestamentlichen Berichten über die Begegnung Gottes mit Menschen wie Abram, Moses und Elia nimmt Jesus im Neuen Testament drei seiner Apostel mit. Auf dem Berg gibt es eine Gemeinde. Auch wenn Gott uns persönlich einlädt, ihm zu begegnen, geschieht dies oft im Kontext der Gemeinschaft.

Und drittens: Es liegt an uns, auf die Einladung Gottes zu antworten. Petrus, Johannes und Jakobus antworten auf die Einladung Jesu, den Berg hinaufzugehen.

2. Der Moment der Gnade auf dem Berg: Eine Erfahrung der Einzigartigkeit Jesu

Auf dem Berg sind die drei Jünger privilegiert, um eine Theophanie zu bezeugen, obwohl sie nicht in der Lage sind, Gott selbst zu sehen. Der Apostel Matthäus sagt uns: „Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus“ (Mt 17:3). Sie sehen Jesus in der Gesellschaft von zwei grossen Männern aus der Geschichte Israels: Mose und Elija. Mose steht für das Gesetz und Elija für die Propheten. Dies verdeutlicht, dass Jesus die Erfüllung des Alten Testaments ist.

Matthäus sagt uns, dass Elija und Mose körperlich anwesend waren, also akzeptieren wir einfach, dass Gott erwecken kann, wen er will, wann immer er will. Das Thema des Gesprächs zwischen Jesus und den beiden grossen Persönlichkeiten ist „sein Tod, den er in Jerusalem vollbringen sollte“ (Lk 9:31). Sie sprachen über Jesus – sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung! Sie sprachen über das Evangelium!

Die Reaktion von Petrus auf diese Theophanie ist „Verwirrung“ und die Unfähigkeit die Tiefe dieses Ereignisses zu verstehen. Petrus schlägt Jesus vor, „drei Hütten zu bauen…“ (Mt 17:4). Er setzt Jesus mit Mose und Elija gleich.

Was dann folgt- „eine leuchtende Wolke“ ist eine klare Deklaration, wer Jesus wirklich ist. Aus der Tradition des Buches Exodus ist die Wolke ein starkes Symbol für die Gegenwart Gottes (Ex 24:17; 1 Kön 8:11).  Als ob dies nicht genug wäre: aus der Wolke rief eine Stimme: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören” (Mt 17:5). Dies ist Gottes Erklärung an die Welt, dass Jesus nicht nur sein Sohn ist, sondern derjenige, der die Sünden der Welt am Kreuz tragen würde. Dies war für die Jünger eine Erfahrung, die Gott in der Person Jesu erlebte.

Den Berg hinaufzugehen ist unsere Willensentscheidung um auf die Einladung Gottes zu reagieren. Aber was tatsächlich auf dem Berggipfel passiert, ist Gnade Gottes. Die Erfahrung Gottes kann vergänglich sein. Wir können nicht daran festhalten. Wir können unsere Zelte nicht auf dem Berggipfel aufschlagen. Aber seine Nachwirkung tragen wir zu unseren täglichen Begegnungen mit.

3. Mit den Früchten dieser Erfahrung den Berg hinunterkommen: Nachdenken und weitertragen

Wie kommt es zur Nachwirkung? Erstens durch Stille und Kontemplation. Lukas sagt uns in seinem Evangelium: „Die Jünger schwiegen und erzählten zu dieser Zeit niemandem, was sie gesehen hatten“ (Lk 9:36b). Gottes Erfahrung lädt uns zum Schweigen und Nachdenken ein, damit die Auswirkungen der Erfahrung vertieft werden können.

Zweitens ist diese Stille nicht unbedingt eine dauerhafte Isolation von der Welt. Es ist auch etwas, das auf den Marktplatz, in unser tägliches Leben, in unsere Häuser, an den Ort der Arbeit und des Studiums übertragen wird.

Die spirituellen Übungen der Fastenzeit sollen uns die Möglichkeit bieten, Gott tiefer zu erfahren und diese Erfahrung in unsere Begegnung mit Menschen zu tragen. Lasst uns beten, dass wir in den kommenden Tagen für diese Möglichkeit offen sind.

Gedanken zum 1. Fastensonntag Lesejahr A (Mt 4:1-11)

Am Mittwoch haben wir die Fastenzeit begonnen, die unsere Vorbereitung auf die Osterfeier – das Fest der Auferstehung Jesu – ist.

Warum sollten wir vierzig Tage fasten?

“Vierzig” ist ein Symbol für eine Generation, also für ein ganzes Leben. Das Volk Israel war vierzig Jahre lang in der Wüste (Dt 8:2). Die Zahl 40 steht zudem für eine Zeit des Gebets: Mose verbrachte 40 Tage in Gemeinschaft mit Gott auf dem Berg Sinai (Ex 24: 17-18; 34-28). Vierzig steht auch für die Reise eines jeden Menschen zum Berg Gottes: Elia wandelte „vierzig Tage und vierzig Nächte lang bis er Horeb, Gottes Berg, erreichte“ (1. Kön 19:8). Es ist diese Reise, an die uns die Fastenzeit erinnert! Am Beginn seines öffentlichen Wirkens wird Jesus 40 Tage in der Wüste vom Satan in Versuchung geführt. Die Erzählung der Versuchung Jesu in den Evangelien ähnelt jener des Volkes Israel in der Wüste und es ist auch unserer eigene Kampf heute.

Die erste Versuchung:

Der Versucher kam zu Jesus und sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird“ (Mt 4:3).

Der Hunger war die erste Prüfung für das Volk Israel in der Wüste (Dtn 8:3). Dies war kurz nach ihrer wundersamen Durchquerung des Roten Meeres (Ex 16). Als sie hungrig waren, hatten sie die Versuchung, nach Ägypten zurückzukehren (Ex 16:3). Der Herr erinnert sie daran, dass er in der Lage ist, ihnen Brot vom Himmel zu geben, denn der Mensch lebt nicht nur von Brot.

Jesus antwortete darauf: In der Schrift heisst es: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.” (Dtn 8:3).

Angesichts des Hungers nutzt Jesus nicht seine eigene Kraft, um sich selbst zu überzeugen. Das Wort Gottes war wichtig im Leben Jesu. Es stützte ihn und half ihm in Zeiten der Versuchung. 

Die zweite Versuchung:

Dann brachte ihn der Teufel in die heilige Stadt und liess ihn auf dem höchsten Punkt des Tempels stehen: „Wenn du Gottes Sohn bist“, sagte er, „so stürz dich hinab, denn es heisst in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuss nicht an einen Stein stösst.“ (Ps 91:11-12).

Satan versuchte, Zweifel an der Identität Jesu zu wecken. Jesus wusste, was er tun musste, um den Plan des Vaters zu erfüllen. Er musste nach Jerusalem gehen, leiden und getötet werden (Mt 16:21). Hier prüft Satan den Gehorsam Jesu. In diesem Fall benutzt Satan sogar die Schrift, um Jesus zu prüfen.

Jesus antwortete ihm: In der Schrift heisst es auch: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen” (Dtn 6:16).

Bemerkenswert ist, dass Satan die Schrift absichtlich falsch zitiert. Da Jesus die Schrift zitiert hat, benutzt Satan sie auch als Waffe.

Die dritte Versuchung: 

Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: „Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“ (Mt 4:8,9).

Hier prüft Satan die Hingabe Jesu, wem er dienen würde. Wen du verehrst, dem dienst du. Satan forderte von Jesus nur seine Anbetung, nicht seinen Dienst. Aber Jesus wusste, dass wir den anbeten werden, dem wir dienen. Anbetung und Dienst müssen zusammen gehen. Da sagte Jesus zu ihm: In der Schrift steht: „Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.“ (Mt 4:10).

Der Teufel, bekannt als der Versucher, prüfte Jesus in drei verschiedenen Bereichen der Hingabe. Er testete sein Gehör, sein Herz und seine Hände. Jesus reagierte auf die Versuchungen Satans mit dem Wort Gottes. Die Schrift – die Bibel – war das „Schwert“, die geistige „Waffe“, die Jesus gegen die Versuchungen des Teufels einsetzte.

Die Antwort Jesu sagt uns, dass wir auf Gott hören sollen. Auf Gott zu hören ist wie Nahrung für die Seele. Das Wort Gottes ist das Brot des Lebens. Das Wort Gottes gibt uns Sicherheit und sichert uns die Erfüllung zu. Jesus sagt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“(Mk 13:31).

Gedanken zum 7. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A (Mt. 5, 38-48)

vom Pfr. Mathew Kurian, Disentis

Die sogenannte Bergpredigt ist im Matthäusevangelium in den Kapiteln 5 bis 7 enthalten. Sie beginnt mit den Seligpreisungen – eine positive Zusage an die Zuhörer und endet mit der eindringlichen Forderung, dass jeder unserer Mitmenschen so zu behandeln ist, wie wir selbst behandelt werden wollen.

Die Bergpredigt war nicht als soziale Ethik gedacht, sondern als Modell dafür, dass wie wir als Kinder Gottes leben und als Brüder und Schwestern in Christus eins zu eins miteinander umgehmen sollen.

Was sagt diese Passage zu uns?

Hier geht es nicht so sehr um den Feind, den Verfolger oder den Bettler. Es geht um das Leben des Nachfolgers Christi. Jesus sagt uns, wie wir leben sollen. Es geht um uns. Jesus spricht zu uns darüber, was wir tun sollen.

Das erste, was wir aus dieser Passage entnehmen ist, dass wir keine Erlaubnis haben, wenn wir versuchen, Jesus nachzufolgen. Auch wenn wir mit schwierigen und schädlichen Menschen zu tun haben. Wir sollten sich nicht von ihnen verletzen lassen, wenn wir behaupten, dass wir durch Jesus aufgerufen sind, ihn nachzufolgen und Gott die ganze Zeit durch uns wirken zu lassen.

Aber wenn wir Jesus wirklich nachfolgen wollen, müssen wir das Herz Gottes in unseren eigenen Herzen pflegen. Nur dann kann man die Zusage Jesus verstehen: “Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.” Jesu Aufforderung zur Feindesliebe und seine Aufforderung, dem Bösen nicht zu widerstehen, sind das Grundelement der Anhänger Jesus.

Eine grosse Überforderung? Freunde kann man lieben, aber doch keine Feinde, oder? Das ist nicht einfach. Gar nicht so einfach. Zumindest nicht für mich und vielleicht nicht für einige von euch: Feinde lieben. 

Aber es ist der Bestandteil des Nachfolgers.

Ich verstehe es so: Nach dem Vorbild Jesus zu lieben. Diese Liebe ist aktive, und auch tägliche Liebe – beneidet nicht, prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie ist nicht unanständig, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu; sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles (1. Korinther 13:4-7).

Vor allem!

Wir lassen uns nicht von hasserfüllten Menschen hässlich machen.

Wir lassen uns nicht von giftigen Menschen giftig machen.

Manchmal bedeutet es, Menschen zu lieben, auch wenn wir sie nicht mögen.  Jesus zeigt seinen Jüngern, dass jeder Mensch zum Nächsten werden kann. Er mag sogar ein persönlicher Feind sein. Wenn er mir begegnet – dann soll ich ihn behandeln wie meinen Nächsten.

Das zu tun ist dem natürlichen Menschen unmöglich. Er ist nicht in der Lage, seinen Feind zu lieben. Auch hier wird deutlich, dass sich der Herr Jesus an wahre Jünger wendet. Sie haben ein neues Leben, das sogar imstande ist, die Feinde zu lieben. 

Jemand, der sich der Liebe Gottes sicher ist, fürchtet sich nicht, sich dem Bösem mit Gutem zu widersetzen. 

Priedi devoziun da matg 2018 en Claustra a Mustér

MARIA FA LA VEGLIA DA DIU

Ev. Mt. 12. 46-50

Nus venerein Maria sco Mumma da Diu e Mumma dalla Baselgia. La Baselgia catolica festivescha Maria sco «Mumma dalla Baselgia»; e quella fiasta vegn uss commemorada ell’entira Baselgia. Papa Francestg ha decidiu che quella fiasta vegni pridasi el calender roman pe glendisdis Tschuncheismas, e ch’ins festiveschi ella naven dad uss mintg’onn. – Nus lein oz mirar sin la veta da Maria, e sin la muntada che siu exempel ha per nus e per la Baselgia. La veta da Maria ei seformada grondamein entras experientschas legreivlas ed experientschas da dolur. Co ei quei svilup staus tier Maria e tgei savein nus emprender ordlunder ?

Maria ei mai stad’ éri pervia da trumpadas ni schliatas experientschas, mobein ei ida vinavon, pass per pass, ensemen cun siu Fegl.

Gia suenter l’Annunziaziun ha ella fatg in’experientscha fetg dolorusa. Ella ha sentiu e supportau ils dubis e la nuncapientscha specialmein da Giusep, siu spus; mo da l’autra vart spitgava ella plein speronza sin quei affon empermess e selegrava sin la naschientscha da Jesus. – La proxima dolorusa experientscha ha ella fatg, cu ella veva piars gl’affon da dudisch onns duront il pelegrinadi a Jerusalem. Ses geniturs fuvan dil meini ch’el sesanfli denter ses parents ed han lu encuretg el treis dis plein dolur. E lu han Maria e Giusep buca saviu capir il plaid da Jesus, cu el ha declarau: «Veis vus buca saviu, che jeu hai stuiu esser en queich’ei da miu Bab?»  

Nus sez mein savens nossa via dalla veta tenor gl’agen gust e sesentin en uorden. E nus emblidein da far stem, schebein Jesus ei cun nus sin via. Sedumandein nus, tgei plan El ha per nus? Encurin nus siu cussegl, cu ei setracta da decisiuns per la veta? Sche nus vein piars la relaziun cun El, lu eis ei necessari dad encurir da rudien e da tedlar sin la vusch da nies cor, per anflar danovamein il contact cun Jesus.

Nus vein udiu oz in plaid enconuschent dalla Bibla; per biars eis el denton nuncapeivels. Ha Jesus buca giu interess da sia mumma e da ses parents? Fuvan els ad el tuttina, cu els spitgavan avon ésch?

Per franc buc! Mo Jesus ha declarau clar e bein: «Tgi che fa la voluntad da miu Bab en tschiel, quel ei per mei frar e sora e mumma». Nus vesein cheu eclatantamein, che Maria ha adina encuretg la voluntad da Diu ed ha stuiu sesuttametter. Nus vesein, che Maria ha adina mess la voluntad da Diu sigl emprem plaz. Perquei ha Dieus era confirmau ella sco mumma da siu Fegl.

In’autra episoda ella veta da Maria ein las nozzas a Cana. Leu ha ella detg als survients: «Fagei quei ch’EL di».

Maria ha viu la situaziun penibla dils nozzadurs e ha vuliu gidar. Ella sefida digl agid da siu Fegl. Cheu vesein nus, co Maria ei ina dunna che vul segidar, e che ha in cor aviert per ils auters. Aschia ha ella reagau, perquei ch’ella fuva en relaziun cun Diu. –

Ozildi dat ei bia carstgauns che fan lavur sociala, mo senza relaziun cun Diu. – Maria muossa a nus, co era nus savein gidar ils auters, ed el medem temps sefidar da Diu.

Sia fidonza ei vegnida remunerada rehamein. L’aua che veva negin gust, ei daventada in vin delicius, Jesus ha fatg cheu sia emprema enzenna. Sche nus essan unien nies defar, seigi cun caussas ni cun carstgauns, lu ei tut benediu. Bia da quei che ha negin gust en nies mintgadi, sa semidar e purtar a nus bia plascher.

Ils hosps da nozzas ein sesmarvegliai che quei bien vin ei vegnius survius pér alla fin dalla fiasta. Entras nies contact cun Diu, san era nossas grevas situaziuns ella veta semidar.

Maria ha adina puspei fatg novs pass enviers Diu, enviers ina veta cumpleina. A Cana ha Jesus numnau ella «dunna». Pli tard, sut la crusch, ha el dau ella a nus sco «mumma». Quei ei in grond pass enviers la plenezia dalla veta, enviers la resurrecziun suenter tut pitir.

«Tut quei ch’el di a vus, fagei»– quei di Maria era a nus. Lu essan nus quei che Jesus ha detg: ses frars e sias soras. Quei ei la via dalla conversiun en nossa veta spirituala. Sche nus suondein Jesus, lu ei quei in process continuau che cuoza l’entira veta. Nus savein comparegliar quei cun ina excursiun sin in cuolm. Gl’emprem enquer’jeu ò la via, lu ha ei num: ir pass per pass tochen sin la tschema.

Per nus munta quei: Nus essan sedecidiper Cristus, e nus seunincun el, e mein lu, ensemen cun el e sia mumma. Ell’amicezia cun EL savein nus crescher e semadirar ed aschia arrivar pli e pli alla plenezia da nossa veta.

Nus mirein uss aunc sil pli impurtont punct ella veta da Maria: quel sil Calvari, cu Jesus ei morts vid la crusch. Cheu ha ella teniu ò cun siu Fegl ed ei buca sedesparada. Mo quei pitir ei buca staus la staziun finala per Jesus, per sia mumma e per ses giuvnals. Tut ei semidau ella levada, en legria ed en veta perpetna. Da Tschuncheismas han Maria ed ils apostels sentiu la ferma preschientscha da Diu. Igl entusiassem per Jesus e siu reginavel ei sefatgs valer, aschia ch’els ha saviu dar perdetga e purtar la buna nova vinavon egl entir mund.

Maria ei per nus exempel ella cardientscha; ella ei la Mumma dalla Baselgia.  Jeu less uss concluder cun in text dil teolog Paul Zulehner che ha scret la brev suondonta a Maria:

Zun venerada Regina dil tschiel, Mumma da Diu, Mumma dalla Baselgia, cara Mumma Maria,

Gest oz less jeu scriver a ti ina brev. Nus essan el meins da matg ch’ei dedicaus specialmein a ti; e nies Papa Francestg ha avon in per jamnas declarau igl gliendisdis Tschuncheismas sco fiasta commemorativa da Maria, Mumma dalla Baselgia. Il Papa ha detg: La Baselgia ei feminina, perquei che la Baselgia ei spusa: Ella ei feminina! Ella ei mumma; ella regala la veta. Spusa e Mumma. En quei senn, che derriva da Maria, savein nus capir la dimensiun feminina dalla Baselgia. Ina dimensiun che la Baselgia piarda leu sia vera identitad, leu, nua che quella dimensiun vsereducescha ad ina uniun. Lu eis ella mo pli ina societad, ni enzatgei semegliont, mo buca pli la Baselgia. Ad ella maunca lu la fatscha materna. Gie, ti eis veramein la Mumma dalla Baselgia, e quei ei bien aschia. E cheu vein nus in punct impurtont: Ins sa buca ver Diu sco Bab, sch’ins ha buca tei sco Mumma. Tras tei arrivein nus tier tiu Fegl Jesus Cristus.

Tei astgein nus mai piarder ord vesta: En tei ei il Vierv daventaus carn: Fegl da Diu e Fegl dil carstagun…

Cara Mumma, jeu panzel nundetg per nossa Baselgia, e perquei sevolvel jeu tier tei gest uss, perquei che ti eis la Mumma da quella Baselgia. Cun tgei panzieri miras ti bein giu da tschiel sin nus? Nus vivin en grevs temps. La cardientscha svanescha pli e pli. La beinstonza ha tschaffau ils carstgauns da tala moda, ch’els piardan las veras relaziuns da lur veta: Famiglia, patria e baselgia existan mo pli agl ur. Gie, biars vegnan senza patria e senza orientaziun. Cara Mumma, gest uss vein nus basegns da tia preschientscha, da tia carezia materna, che dat a nus in da casa en tuts embrugls e tuttas confusiuns da nies temps. Cara mumma, tonscha a nus tiu maun, e meina nus in di ella patria celestiala. Quei ei miu grond desideri e mia supplica en quell’ura dalla Baselgia….    aschilunsch ord quella brev.

En quei intent lein era nus rugar tier Maria, ch’ei la mumma da nus tuts. Nus rughein en nos basegns persunals, mo nus rughein Maria era per sia benedicziun e protecziun per nossa Baselgia. Amen.

Novavla dumengia ordinaria

Caras soras e cars frars en Cristus

Ellas lecziuns dalla dumengia hodierna va ei d’ina vart per la confruntaziun cun dretg e lescha. Da l’autra vart tschenta Jesus il carstgaun el miez ed ei va per il beinesser e salit dil singul carstgaun.

En l’emprema lecziun udin nus dalla sanctificaziun dil sabat, denton era dalla liberaziunord la sclaveria dall‘ Egipta. En texts giudaics dalla fiasta da Pasah secloma ei: „En mintga generaziun duei il carstgaun considerar sesez sco el sez fuss setratgs naven ord l’Egipta“. – Egipta, in simbol per suppressiun e nunlibertad. Ils Iseralits fuvan leu bein supprimi, mo ei deva leu bunas caussas da magliar, el desitert bramavan ei per la padella carn ell‘ Egipta. Pli bugen sclavs, aber magliar bein!  Nus vivin oz buca sco sclavs en nossa patria – ni forsa tuttina? Essan nus buca sclavs dil consum senza retenientscha e dalla beistonza, digl adina vuler dapli e posseder dapli? Nus tuts savein ch‘in venter plein ed in mund sbrinzlont da canera fa staunchels e muntatuttina nies cor. 

Ei dat enzatgei che impedescha quei patratg general dil creschament economic: La dumengia ed il firau.

Egl evangeli s’exprima Jesus pertuccont il camondament dil sabat, perquei ch’ils giuvnals havevan fom e scarpavan naven spigias. Ils farisès enconuschan mo il camondament e las precripziuns dalla lescha.Il carstgaun sez vala nuot. Jesus vul denton spindrar e medegar il carstgaun, era il sabat. Pertgei il sabat ei cheu per il carstgaun. Il salvament ed il salit dil carstgaun ei per Jesus il center dil sabat. 

El ha adina puspei giu dispetas cun ils enconuschiders dalla lescha: Jesus entaupa in um cun in maun schirau, — danovamein ina dumengia. Sche nus mirein sin Jesus, lu havein nus l’impressiun ch’el enquera propriamein il conflicts cun l’autoritad religiusa, provochèscha veramein la confruntaziun. El tschenta igl um el center– quei munta che tuts duein veser ei, Jesus fa nuot el zuppau. Ed il carstgaun ei per Diu il punct central e siu salit e buca las prescripziuns. Igl ei ina situaziun grondamein dramatica e Jesus mira sin sès adversaris in suenter l’auter. Internamein strèmbla el plein greta e tristezia sur pervia da lur cor stinau. 

Sche nus mirein cheu sin Jesus, lu vesein nus sia libertad suverana.Perquei ch’ El ei segirs dalla preschientscha daDiu, vul el ademplir la vera volunatad dil Bab. Dieus ha dau a nus il sabat (la dumengia) sco regal dils libers affons da Diu. El vul che nus sanctificheien quei di, perquei che Dieus sez ei sogns. Jesus cumbatta pia il dretg real da Diu. Cun gronda autoritad tschènta el el center la voluntad dil Diu che vul il salit.

Ils cristifideivels han mess il sabat, – che fuva pli baul la sonda, – sin la dumengia, perquei che Cristus ei levaus da mort en veta la dumengia, igl emprem di dall’jamna. Els serimnavan pia mintg’jamna per far memoria da quei misteri e per ademplir il camond da Jesus che veva detg: “ Fagei quei en memoria da mei.“ La sontga messa dalla dumengia fuva pils emprems cristifideivels il zenit dall’jamna. Per els fuva gl’entir di sanctificaus; els prendevan peda per visitar parents e malsauns.

Tgei savessen nus far orda la dumengia, per ch’ella daventi puspei in di special, differents dils auters dis dall’jamna?

  1. Puspei ver peda per la cuminonza dalla Baselgia e dalla famiglia.
  2. Anflar peda dad esser cheu per auters, tedlar sin els; e plidar sur da caussas impurtontas dil mintgadi ed era saver dar si certas caussas.
  3. Gudignar novas forzas ella natira, duront ina spassegiada; ed admirar la grondiusa creaziun da Diu.
  4. Anflar peda da far oraziun persunala, e l‘oraziun en famiglia.

Nus lein pia sespruar da far ord la dumengia – schi bein sco pusseivel, – in di da fiasta. Quei auda tiel rItmus natural da nossa veta e quei ei mess en nies cor. In vegl proverbi catolic di: “Sco tia dumengia, aschia tiu di da mort.“ Sche nus emblidein buca Diu la dumengia; emblida el era mai nus. Amen.

Fiasta da Pastgas 2018

Cars frars e caras soras en Cristus

Cristus ei levaus da mort en veta — quella buna nova vegn annunziada oz sigl entir mund. Tuts carstgauns duein udir ella e selegrar. 

Pastgas ei ina fiasta che sesaulza ord la notg. Ils giuvnals da Jesus intervegnan: Il pli segir ch’ei dat en nossa veta, la mort, ei buca pli ina grondezia absoluta. La victoria sur dalla mort e sur dil puccau ei veramein dada a nus tras Jesus Cristus ch’ei levaus da mort en veta.

In film american raquenta dad in archeolog che ha fatg excavaziuns a Jerusalem. Ellas gasettas ha el schau saver ch’el hagi anflau la fossa da Jesus, mo ella fuvi buca vita. El hagi anflau leu in skelett. El ha lu declarau alla glieud: « Crucifigaus, morts e satraus seigi Jesus; levaus da mort en veta, NA, — quei seigi el buc! Beinspert ei quella sensaziun vegnida derasada sco in cametg. La cardientscha dils cristifideivels seigi ina sgarscheivla trumpada. Silsuenter vegn mussau el film, co il mund va en decadènza en ina immensa stgiradetgna. Ils sacerdots siaran las baselgias, stezzan las candeilas. Ils paders bandunan lur claustras.

Tuts segns religius svaneschan. Ei resta in mund en stgiradetgna e tristezia. – La finala ha igl archeolog declarau: «Jeuhai trumpau il mund; jeumez hai preparau in skelett e mess quel ella fossa vita. La fossa fuva veramein vita».

Gia il patratg, ch’ei dessi negina levada dils morts, fa a nus sgarschur. Senza la levada da Cristus fuss era nossa veta senza finamira, senza senn e senza sustegn.

Lein mirar sin Maria Madleina: Ella ei ina dallas pli fideivlas giuvnalas da Jesus. Ella ei ferma sut la crusch, ed ei sco emprema alla fossa. Aschia eis ella l’emprema che dat perdetga dalla resurrecziun. Entras sia veta spinusa e sia gronda carezia per Jesus, semadirescha ella ed arriva a quella fideivladad absoluta.

Ella ei l’emprema che va da Pastags endamaun alla fossa e vesa ch’il crap sidavon ei stuschaus dad ina vart. La fossa ei vita. En sia gronda tristezia, vesa ella ina persuna sper la fossa, enconuscha denton buca quella. Per cu ina vusch plein carezia cloma siu num : « MARIA ! » sa ella, tgich’igl ei e cloma:  «RABBUNI – miu Mussader ! » Ina risposta plein ventira e carezia. Siu cor ei plein legria, ventira e beadadad. En siu cor vegn tut mo glisch. La stgiradetgna e la peina da mort semidan entras la sentupada cun Jesus en legria pascala.

A Maria Madleina ed als giuvnals dad Emmaus sesarvan ils egls; quei ein ils egls pascals dil cor. Per tras lur cardientscha ein els habels da veser Jesus; ed EL ei sedat d’enconuscher en lur pli profund. Els tuts van dalla stgiradetgna ella glisch. — Inaga ha uestg Hämmerle formulau quei aschia:  «Jeu giavischel a nus egls da Pastgas, che vesan ella mort tochen alla glisch. Jeu giavischel a nus egls da Pastgas che vesan Diu el carstgaun ed il carstgaun en Diu. Jeu giavischel a nus egls da Pastgas che vesan da mei tochen tier tei. E cheutier giavischel jeu a vus tuts bia forza pascala».

Avon sia mort han ils apostels ed ils giuvnals viu Jesus e siu operar mo sin moda superficiala. Inaga han els schizun dumandau el, tgi dad els che survegni il meglier plaz en siu reginavel. Jesus ha censurau els e detg : « Miu reginavel ei buca da quest mund ». Duront sia passiun e mort fuvan els aschi disturbai, ch’els ein fugi plein sgarschur; per els era tut alla fin. Els ein turnai anavos tier lur clamada da bli baul ed han entschiet a pigliar pèschs. Il Cristus vivent denton ha clamau anavos els, per ch’els vivien ensemen cun EL. EL ha aviert ad els ils egls per ch’els vesien pli profund e possien capir. Lur egls pascals fuvan denton aunc buca madirs diltut, per ch’els mondien ò egl entir mund ed annunzien ch’il Cristus seigi levaus da mort en veta. Per quella missiun ha ei aunc duvrau la vegnida dil Sogn Spert da Tschuncheismas. Suenter han els lu dau perdetga cun curascha sigl entir mund.

La fossa cun sia stgiraglia senza Jesus ch’ei vivents, ha negina valeta pli. Igl ei ina trumpada. Il Cristus, levaus da mort en veta, viva; e nossa cardientscha enten EL ei negina trumpada.

Aschia eis ei era en nossa veta d’ozildi. Tgi che sa buca crer ella levada da Cristus, vesa ella mort mo las restonzas terrestras dil miert che nus purtein alla fossa. Ils egls pascals dalla cardientscha vesan dapli. Il cartent sa ch‘il defunct ei ius a casa tier Diu. Tras la carezia e la cardientscha resta l’uniun denter vivs e morts. Igl evangeli plaida era dalla missiun: Va tier tes frars e tias soras ed annunzia ad els che Cristus viva. 

 Jesus regali a nus en nossa veta egls pascals aviarts — e la forza pascala da dar perdetga e la pasch pascala el cor. Amen.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Venderdis sogn 2018

Cars frars e caras soras en cardientscha

Oz da venderdis sogn, meditein nus sur dalla passiun e mort da Jesuse siu irtiel Bab. Pitir e murir ei la davosa consequenza da sia incarnaziun. «La novavla ura ha Jesus dau in griu ed eispartius.» La novavla ura ei tenor nies quintar, las treis suenter miezdi. Tenor las perdetgas dils evangelis, ha il cumbat da mort da Jesus cuzzau treis uras. Els raquentan dad ina stgiradetgna, e dad in tiaratriembel e da greppa ch’ei sefendida e dalla tenda dil tempel che ha survegniu in scarp da sum toccadem.

La liturgia dil venderdis sogn entscheiva cun in grondsilenzi, cun adoraziun tgeua.

 

La mort privescha nus da plaids

Tgi che ha gia zacu accumpignau in moribund en sias davosas uras, sa, che la mort sa far che nus savein buca tgei dir, fa quescher.La mort ei enzatgei sco in mir stgir. Nus essen sepiars.

 

La mort privescha nus da plaids

Il venderdis sogn, il di dalla mort dil Segner,entscheivacun in grond silenzi.Quei silenzi ei aschi impressiunonts e muenta nus, cu il spiritual semetta giun plaun, en num da nus tuts. Nus stuein sesbassar avonil misteri da Diu. Mo en tgeuadad e consternaziun savein nus mirar sil misteri da nies spindrament.Quei silenzi e quella consternaziun sentin nus era ella lecziun che nus udin dil profet Jesaja. Quel scriva: «El, Cristus, ha purtau nossas malsognas; el ha priu sin el nossas dolurs; entras sias plagas essan nus salvai.»

Jesaja muossa a nus co nus duein capir la passiun da Jesus: Il spréz e las beffas, sia fleivlezia, siu disdir, siu abandun e sia desparaziun: Quei tut ein nossas plagas  ch’el ha purtau per nus. Mo quei ein denton el medem temps las plagas, tras las qualas nus essan spindrai.

Ils apostels e tut quels ch’eran suondai Jesus, fuvan consterni pervia dil pitir e la mort da Jesus. Veva el buc empermess il reginavel da tschiel, — ed uss ? Ha la mort destruiu tut? Ha la mort gudignau pussonza sur dil Fegl da Diu? Han uss stgiradetgna, pitir, malsognas e mort la pussonza sin quest mund? Sche schizun il Fegl da Diu ha stuiu pitir dolurs e la mort, co savein nus carstgauns normals vegni salvai? Quels treis dis ein ils apostels e tut quels che vevan suondau Jesus, dis da consternaziun e dis stgirs. Ils inimitgs da Jesus han giu grond plascher ed han cartiu da ver la victoria enta maun. Els han cartiu che Jesus seigi morts e resti morts per adina. Quei plascher e quella satisfacziun hanbuca cuzzau ditg, mo treis dis.

Sin la via dalla crusch da Jesus entupein nus quater gruppas da carstgauns. La pussonza vevan ses inimitgs. Ils apostels ein fugi, plein anguoscha. Lu deva ei da quels che miravan tier. Mo ei ha era dau ils carstgauns fideivels, che han teniu ò tochen sut a crusch. – Tier tgei gruppa audel jeu? Sun jeu cheu oz per mirar sil pitir da Jesus sco aspectatur, ni selaschel jeu muentar tochen el pli profund dall’ovra dil spindrament che Jesus ha fatg per mei? Sun jeu promts da dar risposta a quella immensa carezia da Jesus en mia veta?

Jesus ha mussau a nus che la mort fa buca mo ch’ins sa buca tgei dir, mobein ch’ella ei la gronda punt tier Diu. Papa Francestg di quei cun auters plaids: «La crusch ei buca la staziun finala, mobein passadi vi en ina veta nova.»

 Perquei che Jesus ha spindrau nus vid la crusch, astgein nus senza gronds plaids mirar sin ELe sia crusch plein cardientscha. Ils evangelists annunzian: «El ei morts quella mort per nus e per il salit digl entirmund.»EL ei nossa suleta speronza. Tgi che mira sin EL ell’ura da sia mort, miera buc senza speronza. Cun Jesus astgein nus dir: «Bab, en tes mauns surdun jeu miu spért.» 

Lein mirar sin la crusch. Jesus mira sin nus;elha aviert sia bratscha sco per dir: Neu tier mei, sefida da mei! Ina pli gronda carezia vegnas ti mai ad anflar! Jesus ha inaga detg:  «Cu jeu sun alzaus dalla tiara, vegn jeu a trer tuts tier mei.» [Gn 12,32]

 L’egliada sin la crusch sa dar a nus salit e speronza, oravontut en grevs temps. Nus savein lu: Pitir, miseria e mort han buc il davos plaid.

Gie, nus lein venerar la crusch da Jesus cun nossa attaschadadad, cun nossa carezia e cun la forza da nossa fidonza. Lu benedescha EL nus e nus savein ir la via da nossa veta plein speronza, sco carstgauns reconciliai. Ed aschia astgein nus confessar en verdad: «Ella crusch ei salit, — ella crusch ei veta, —ella crusch ei speronza. Amen.»