Gedanken zum 11. Sonntag A (MT 9:36 –10:8)

Liebe Schwestern und Brüder,

Das heutige Evangelium gibt uns einen Überblick über das Wirken Jesu zu jener Zeit. Er ging durch alle Dörfer, lehrte, verkündete das Evangelium und heilte jede Art von Krankheiten und Leiden. Dann wird von einem konkreten Vorfall bei einer dieser Begebenheiten berichtet, als Jesus die Menschenmenge sah, vielleicht als sie sich ihm näherte, hatte er Mitleid mit ihnen und erteilte dann seinen Jüngern diesen Auftrag: „Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9:38).

Wir müssen sehen, wie Jesus gesehen hat.

Vermutlich blickten die Jünger und Jesus beide auf dasselbe Meer der Menschheit, aber Jesus sah etwas, was die Jünger nicht sahen. Er sah die Verletzungen der Menschen. Er sah Menschen, die durch Druck belästigt wurden, gequält von ihrer Vergangenheit, erschöpft von ihrer Gegenwart, verängstigt von ihrer Zukunft. Warum haben die Jünger das nicht gesehen? Sie sahen mit ihren natürlichen Augen, nicht aber mit ihren geistigen Augen. Jesus sah die Menschen als Schafe ohne Hirten. Die jüdischen religiösen Führer hätten diese Menschen hüten und sie auf Gott hinweisen sollen. Aber stattdessen waren sie selbstgerecht und selbstsüchtig und sahen auf das einfache Volk als Sünder herab (Joh 9:24-34). Sie betrachteten das Volk als eine Plage. Aber Jesus betrachtete sie als Schafe, die einen Hirten brauchen.

Wahrscheinlich begegnen wir hier jede Woche verletzten Menschen. Treten wir auf dem Weg zum Gespräch mit unseren Freunden über sie hinweg? Oder sehen wir sie so, wie Jesus diese Menschen sah, als verzweifelt, entmutigt und als Schafe ohne Hirten?

Jesus sah die große Ernte der verlorenen Menschen.

Jesus sagte: „Die Ernte ist groß“. Dies war ein wichtiges Konzept, das Jesus seinen Jüngern nahebringen wollte. Bei einer anderen Gelegenheit sagte er, nachdem er mit der Samariterin am Brunnen gesprochen hatte, zu den Jüngern: „Blickt umher und seht, dass die Felder weiß sind, reif zur Ernte“ (Joh 4:35). Er wiederholte es noch einmal, als er die zweiundsiebzig Auserwählten zum Dienst aussandte (Lk 10:2). Die Ernte hängt nicht von unseren Techniken ab, sondern von Gottes souveränem Plan. Er hat eine Ernte geplant, und er ruft uns auf, uns zu engagieren, um die Früchte einzubringen. Jesus sagte, dass die Ernte reichlich ist. Es ist Gottes Anliegen, die Herzen für das Evangelium zu öffnen (Apg. 16:14). Es ist unsere Aufgabe, in das Erntefeld zu gehen und zu versuchen, eine Ernte einzubringen. So sah Jesus die große Not der erschöpften Menschen. Er sah die große Ernte der verlorenen Menschen.

Jesus sah den großen Bedarf an Arbeitern für die Ernte.

Die Arbeiter sind wenige.“ Jesus hat hier die Metaphern geändert. Zunächst verwendete er die Metapher des Schafes. Aber jetzt ist es eine Ernte. Diese beiden Metaphern zeigen zwei Seiten der Sache: Das Schaf und der Hirte zeigen das Bedürfnis des Menschen, dem Gott begegnet. Der gute Hirte sucht verlorene Schafe auf und dient ihnen als Diener. Die Ernte und die Arbeiter zeigen Gottes „Bedürfnis“, dem der Mensch begegnet: Gott gebraucht gerettete Menschen, um andere Menschen zu retten. Er hätte Engel einsetzen können, die wahrscheinlich kompetenter gewesen wären als wir. Aber er hat sich dafür entschieden, uns zu benutzen! Und so bedeutet die reiche Ernte, dass mehr Arbeiter gebraucht werden.

Es ist kein Zufall, dass Jesus im Matthäusevangelium als Nächstes die Zwölf zusammen ruft und sie zum Dienst einsetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Jesus den ganzen Dienst getan, während die Jünger zuschauten. Aber jetzt bezieht er die Jünger mit ein. Da werden die „Zwölf“ genau mit Namen genannt, damit jeder weiß, wer sie sind. Jesus sendet Menschen mit konkreten Botschaften und mit konkreten Aufgaben aus. Die Zwölf haben selbst nie Theologie studiert und keine Ausbildung in Sozialberatung und Therapie erhalten. Sie waren Menschen aus verschiedenen Berufsgruppen. Diese Menschen sind ja nicht alleingelassen mit dem großen Aufrtrag, sondern gibt er dem Menschen seine Macht. Die Vollmacht, seine Wunder auch wirken zu können. Er schenkt ihnen seinen Heiligen Geist, der Leben schafft, der ihnen zur Seite steht, wenn sie müde und erfolglos sind.

Wir müssen uns so fühlen, wie Jesus sich gefühlt hat.

„Als er die viele Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen…“. Das griechische Verb für „Mitleid empfinden“ wird von Jesus in den Evangelien häufig verwendet. Tief im Inneren empfand Jesus Mitleid für diese Menschen. Wir müssen bedürftige Menschen so sehen, wie Jesus sie gesehen hat. Und wir müssen Mitgefühl für sie empfinden, wie Jesus es empfunden hat.

Was hat Jesus getan? Jesus kümmerte sich um die geistlichen und körperlichen Bedürfnisse der Menschen. Der Evangelist Matthäus fasst das Wirken Jesu in drei Dingen zusammen: Er lehrte, verkündete das Evangelium vom Reich Gottes und heilte alle Krankheiten und Leiden. Jeder Christ ist berufen, Christus zu dienen. Er hat Ihnen einzigartige Gaben und Möglichkeiten gegeben. Das Evangelium sagt, dass Jesus den Jüngern befohlen hat, für Arbeiter zu beten. Das stimmt! Aber Jesus hat den Jüngern nicht befohlen, etwas zu tun, was er selbst nicht getan hatte. Der Evangelist Lukas (6:12-13) berichtet uns, dass Jesus, bevor er die zwölf Apostel rief, die ganze Nacht im Gebet verbrachte. Sicherlich bat er zum Teil den Vater um Arbeiter für die Ernte.

Liebe Freunde, lasst uns immer wieder für alle beten, die das Wort Gottes verkünden: Für die Priester in unseren Gemeinden, für die Missionare weltweit, für die Diakone, die Ordensleute, die Pastoralreferentinnen und -referenten, für die Katecheten. Und besonders für die Eltern, die ihre Kinder im Glauben erziehen. Und lasst uns darum beten, dass Gott immer wieder Menschen in seinen Dienst ruft. Amen.

Suandei nus per plascher sin: