Gedanken zur Geburt des Hl. Johannes des Täufers A – (Lk 1:57, 66-80)

(Zum Patronsfest Sogn Gions, Disentis Mustér – 21.06.2020)

Einer der einflussreichsten Männer in der ganzen Geschichte ist dieser Mann, der in der Wüste lebte, der Heuschrecken und wilden Honig aß, Kleider aus Kamelhaar mit einem Ledergürtel trug und nur für einen Zweck lebte – andere auf Jesus Christus hinzuweisen – Johannes den Täufer. Wahrscheinlich haben Sie schon Geschichten von ihm gehört oder wissen einige interessante Fakten über sein Leben und seinen Dienst.

Jesus bezeugt von ihm: „Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer“ (Mt 11:11). Warum ist dieser Johannes der Täufer von so großer Bedeutungdass Jesus ihn als den größten Menschen auszeichnet, der bis zu diesem Zeitpunkt geboren wurde? Heute betrachten wir einige wichtige Wahrheiten aus dem Leben von Johannes dem Täufer, die uns Einsicht in sein Wirken geben können.

1. Und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein (Lk 1:15).

Die Tage des Johannes waren von Gott bestimmt. Elisabeth war unfruchtbar gewesen; bis sie mit Johannes schwanger wurde. Ein Engel teilte Zacharias mit, dass seine Frau Elisabet einen Sohn gebären wird und sie ihm den Namen Johannes geben sollen. Und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt werden. In der israelitischen Geschichte wurden nur ausgewählte Personen (wie Propheten und Könige) mit dem Heiligen Geist erfüllt und auch dann nur für eine gewisse Zeit um bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Es kam sehr selten vor, dass ein Kind mit dem Heiligen Geist erfüllt wurde, noch bevor das Kind überhaupt geboren war. Das zeigt, dass Johannes mit einem bestimmten Zweck zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte geboren wurde.

Die meisten Christen neigen dazu, die Rolle des Heiligen Geistes in ihrem Leben herunterzuspielen. Sie müssen erkennen, dass es der Heilige Geist war, der sie zum Glauben an Jesus Christus geführt hat. Es ist der Heilige Geist, der in ihrem Leben wirken will, um sie nach dem Bild Christi zu leiten.

2. Er führte ein von der Welt getrenntes Leben.

Die Beschreibung von Johannes ist kurz und klar. Davon zeugt das Evangelium: „Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung“ (Mt 3:4). Und Johannes lebte in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er den Auftrag erhielt in Israel aufzutreten. Er lebte ein strenges und diszipliniertes Leben. Er ernährte sich von den Lebensmitteln, die im Allgemeinen von den ärmeren Schichten der Gesellschaft konsumiert wurden. Propheten waren dafür bekannt, dass sie die Isolation der Wüstenorte nutzten, um im Laufe der Zeit geistlich zu wachsen und ihre Botschaft auf Gott auszurichten. Wir müssen unser Leben aus einer himmlischen Perspektive gestalten, die sich von dieser Welt unterscheidet.

3. Er war gehorsam nach den Absichten Gottes.

Johannes erkannte schon früh im Leben den Ruf Gottes und gab sich ihm ganz hin. Er weigerte sich, Namen und Titel zu akzeptieren, die ihm die Männer aufdrücken wollten. Viele Leute fragten Johannes, wer er wirklich sei. Sie fragten sich, ob er der verheißene Messias oder Elias oder gar ein falscher Prophet war. Doch Johannes antwortete auf all diese Fragen klar und entschieden mit „Nein“ und wies andere wiederholt auf Christus hin. Er war stark genug, um bei seiner Mission zu bleiben: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3:30). Johannes, der letzte Prophet vor Christus, blieb seiner Sendung und seinem Auftrag treu. Haben wir eine Mission in unserem Leben? Unsere Mission in diesem Leben ist es, andere auf Christus hinzuweisen. Demut und Gehorsam gegenüber Gott ist wichtiger als das, was andere von uns denken.

4. Johannes lieferte ein hervorragendes Zeugnis für Christus.

Johannes erklärte nachdrücklich, dass er weder der versprochene Messias noch ein buchstäblich wiedergeborener Elias sei. Vielmehr war er die Erfüllung der Prophezeiung Jesajas, die Stimme der Vorbereitung auf die Ankunft Gottes durch die Menschwerdung (Joh 1:19-23). Er kann auf den Messias leibhaftig hinweisen: „Seht das Lamm Gottes!“ Er identifiziert Christus als das Pascha-Opferlamm und bekräftigt die stellvertretende Natur des bevorstehenden Todes Jesu. Er bestätigt die Universalität der Mission des Erlösers. Johannes erkannte die Vollkommenheit Christi an. „Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht.“ Und: Jesus lässt sich von ihm im Jordan taufen.

5. Johannes der Täufer war mutig und bereit, die Wahrheit zu sagen, auch wenn dies zu seinem eigenen Tod führt.

Johannes hatte keine Angst vor den religiösen oder politischen Führern seiner Zeit. Er sprach die Wahrheit mit Klarheit und Leidenschaft, er lebte nicht, um die Menschen zu erfreuen, sondern einfach, um die Notwendigkeit der Vergebung der Sünden zu predigen. Er zeigte den Pharisäern und Sadduzäern, was sie wirklich waren. Er wusste, dass ihre Herzen und ihr Leben weit von Gott entfernt waren. Er sprach die harte Wahrheit zu Herodes, einem der vier Herrscher über Palästina. Als Herodes Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, zu sich genommen hatte, hatte Johannes zu ihm gesagt: „Du hättest nicht das Recht, sie zur Frau zu nehmen“ (Mt 14:4). Es hatte Herodes so sehr beunruhigt, dass er Johannes einsperren ließ und ihn töten wollte. Seine Mission war erfüllt, Gottes Ruf begleitete ihn bis zum Tod.

Johannes lebte arm und bescheiden. Sein Lebensstil ist eine Provokation, vor allem in unserer konsumorientierten Gesellschaft. Er lädt uns daher ein, sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren und alle überflüssigen zu lassen. Darüber hinaus mahnt er, sensibler auf die Notwendigkeiten der Armen und der Hilfsbedürftigen zu achten und für das, was sie für ein würdiges menschliches Leben brauchen.

Das Leben und Wirken des Johannes möge uns ein Vorbild sein. Er ist der einzige Heilige neben der Jungfrau Maria, deren Geburtstag wir im liturgischen Jahr der Kirche feiern. Weil er – wie Maria – wie kein anderer eng mit der Geburt und der Person Jesu verbunden ist. Amen.

Suandei nus per plascher sin: