Gedanken zum 16. Sonntag A (Mt 13:24-30)

Woher kam dann dieses Unkraut?

Die Gleichnisse Jesu sind eine Art Lehre des Wortes Gottes, die sich auf das wirkliche Leben der Menschen bezieht. Sie sind die Einstellung des realen Beispiels, mit dem die Zuhörer bekannt sind, so können die Zuhörer erkennen und beherzigen, was auf viel persönliche Art und Weise gelehrt wird.

Jesus erzählt ein zweites Gleichnis über das Säen von Samen, diesmal über zwei Sämänner – einen, der guten Samen sät, um Weizen wachsen zu lassen, und der andere – den Feind, der Unkraut unter den Weizen sät.

Der Landwirt, der eine gute Ernte haben will, verwendet nur das beste Saatgut. Wir können wohl davon ausgehen, dass er vorsichtig ist, wenn er das Saatgut so ausstreut, dass es in den guten Boden fällt. Das Ziel ist: eine gute Ernte.

Aber die Diener des Bauern sind alarmiert. Sie sagten zu den Landwirt: „Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät?“ Natürlich hat er es getan. Sie wissen, dass er es getan hat. Deshalb sind sie auch so überrascht, als sie das Unkraut entdecken. Das sollte eigentlich nicht passieren. „Woher kommt dann das Unkraut?“

Ihre Frage hat Dringlichkeit. Sie wollen wissen, was passiert ist und wer dafür verantwortlich ist. Das wollen wir auch wissen. Das ist es, was wir wissen wollen, wenn wir Unkraut auf unseren Feldern entdecken. Wir wollen eine Erklärung und jemanden, den wir beschuldigen, zur Rechenschaft ziehen und sogar bestrafen können. Viel zu oft sehen wir das in unserem politischen Gezänk, in unseren Facebook-Posts und in unseren privaten Meinungen. Jesus scheint jedoch an diesem Ansatz weniger interessiert zu sein als wir. 

Lasst beides wachsen bis zur Ernte

Der Landwirt bestätigt ihre Gedanken. „Das hat ein Feind getan“, sagt er. Das war’s. Er erklärt es nicht. Er identifiziert oder benennt den Feind nicht. Er gibt keine Anweisungen, diesen Feind zu finden, zu vertreiben und zu bestrafen. Es ist eine der Herausforderungen des heutigen Evangeliums: Das Evangelium stellt immer die Art und Weise in Frage, wie wir denken, sehen, handeln und leben. Es ist die Herausforderung, mehr zu werden, als wir denken, wer wir sind. Es ist eine Herausforderung, die jedes Mal entsteht, wenn wir dem Unkraut unseres Lebens und unserer Welt begegnen.

Die Realität im Blick auf Jesus ist, dass unser Leben und unsere Welt ein Feld sind, auf dem Gut und Böse, Leben und Tod, Freud und Leid, das, was wir wollen und das, was wir nicht wollen, nebeneinander wachsen und leben. Der Weizen und das Unkraut gedeihen in unserer Welt und in jedem unserer Leben zusammen.

Das, sagt Jesus, ist das, was das Himmelreich ausmacht. Das ist eine gute Nachricht für uns. Es bedeutet, dass trotz des Unkrauts in und um uns herum das Himmelreich immer noch da ist. Das Unkraut überwindet das Reich Gottes nicht und kann es auch nicht entfernen. Es ist vielleicht nicht die Fülle des Reiches, aber es ist dennoch das Reich Gottes.

„Sollen wir gehen und das Unkraut ausreißen?“, fragen die Diener ihren Herrn. Er entgegnete: „Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus.“ Das ist nicht nur gewöhnliches Unkraut. Es ist ein Gras, das wie Weizen aussieht, bis das Korn erscheint. Seine Wurzeln verflechten sich mit den Wurzeln des echten Weizens. Der Unterschied zwischen den beiden ist nicht immer leicht zu erkennen. 

Jesus zeigt mehr Interesse an Wachstum als an Ausrottung

Aber was ist mit diesen Unkräutern? „Lasst beides wachsen bis zur Ernte“, sagt er. Jesus zeigt mehr Interesse an Wachstum als an Ausrottung. Er ist bereit zu warten und geduldig zu sein. Wenn wir seine Nachfolger sind, werden auch wir warten und geduldig das Unkraut unseres Lebens betrachten. Während wir geduldig warten, sollten wir uns nicht zu sehr auf das Ende dieses Gleichnisses freuen. Lasst uns das Ende des Zeitalters und das Kommen Jesu nicht wie ein göttlicher Unkrautvernichter feiern. Ich glaube nicht, dass Jesus wollte, dass dieses Gleichnis wörtlich genommen wird.

Will Jesus im Gleichnis über den Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen sprechen? Oder scheint es, dass es auf der Welt zwei Gruppen von Menschen gibt – Kinder des Königreichs und Kinder des Bösen, Weizen und Unkraut – und dass ihre Schicksale von Anfang an feststehen.

Wir können von Unkraut, das sich als Weizen ausgibt, getäuscht werden; wir können Weizen falsch einschätzen und markieren, dass er ein Unkraut ist. Aber wir können das Herz nicht beurteilen; wir können den Glauben eines Menschen nicht kennen. Wir wissen oft nicht, was im Leben anderer Menschen vor sich geht. Wir wissen nicht, welche Belastungen andere Menschen mit sich herumtragen. Dennoch glauben wir, dass wir genug wissen, um schnell urteilen zu können, ob jemand ein gutes oder böses Gewächs ist.

Liebe Schwestern und Brüder, dieses Gleichnis bedeutet nicht, dass wir jede Art von schlechtem Verhalten tolerieren. Dennoch ist dies ein Gleichnis der Hoffnung, dass das Unkraut reduziert oder besiegt werden kann. Jesus ruft uns mit diesem Gleichnis auf, Gutes und Böses zu unterscheiden und das Gute zu tun. Er ruft uns zur Umkehr auf und gibt uns die Möglichkeit zu einem neuen Anfang. Amen.

Suandei nus per plascher sin: