Gedanken zum 15. Sonntag Lesejahr A (Mt 13:1-9)

Das Gleichnis vom Sämann

Durch das Gleichnis vom Sämann erzählt uns Jesus im heutigen Evangelium die verwandelnde Kraft des Wortes Gottes, wenn es gelesen, gepredigt und gelebt wird. Die Handlung ist einfach genug. Ein Sämann geht hinaus, um zu säen, und wirft Samen aus, so dass sie an vier verschiedene Orte gelangen, mit vier verschiedenen Ergebnissen.

Der Same, der auf dem harten Weg fällt, wird von Vögeln aufgefressen. Der Samen, der auf felsigem Boden liget, wächst nur bis er verwelkt. Der Samen, der zwischen den Dornen landet, wächst auf, wird aber von den Dornen erstickt. Aber manche Saat fällt auf guten Boden und bringt reichlich Getreide hervor.

Die Geschichte des Sämanns verlangt also unsere Aufmerksamkeit. Hier beschreibt Jesus nicht nur verschiedene Arten von Böden oder Lebensumständen. Er beschreibt auch unsere innere Geographie. Das sind die verschiedenen Landschaften des menschlichen Herzens. Die Anlegeplätze repräsentieren jede Art von Person, jede Art von menschlicher Situation. Die vier Böden beschreiben, wie wir leben und wie wir mit anderen und mit Gott umgehen sollen.

Das Gleichnis zur Selbstreflexion und zur Untersuchung der Art des Lebens

Auf einer Ebene lädt uns das Gleichnis zur Selbstreflexion und zur Untersuchung der Art des Lebens ein, das wir führen. Wir alle wissen, dass der Sämann in diesem Gleichnis Gott der Vater ist, und der gesäte Same ist das Wort Gottes – Jesus selbst. Wenn das Menschgewordene Wort Gottes in unseren Herzen gelegt wird, schlägt die Gnade Gottes  in den Herzen Wurzeln, und wir sind die Nutznießer dieser Samen – der Gnade Gottes. Aber es ist eine gewaltige Aufgabe, das Wort Gottes zu suchen und aufnehmen zu können, wie eine endlose Schatzsuche.

Wir leben in einer Welt, die von Wettbewerb, Vergleichen und Urteilen geprägt ist. Deshalb reduzieren wir das Gleichnis auf eine offensichtliche Frage. Was für ein Boden bin ich? Damit stellen wir uns in den Mittelpunkt des Gleichnisses und drängen den Sämann in den Hintergrund.

Die schlechte Landwirtschaft

Ein Bauer geht hinaus und sät Samen auf einen öffentlichen Weg, auf felsigen Boden und zwischen die Dornen. Das ist einfach verschwenderisch, ineffizient und wirkungslos. Das ist schlechte Landwirtschaft. Der Sämann ist kein guter Landwirt. Man kann nicht zwischen Felsen und Dornen oder auf einem Weg säen und dann überrascht tun oder sich beschweren, dass nichts gewachsen ist. Die Geschichte, die Jesus erzählt, passt einfach nicht in unsere Welt. Das zu wissen, ist der Anfang des Verständnisses dieses Gleichnisses.

Die Gleichnisse bieten eine andere Perspektive, eine neue Weltanschauung. Sie geben uns einen Einblick in Gottes Welt und wie Gott ist. Sie heilen unsere Ohren und unsere Augen, damit wir hören und verstehen, sehen und wahrnehmen können. Gleichnisse sind nicht dazu gedacht, die menschliche Intelligenz auf die Probe zu stellen. Sie sind die Quelle der Gnade, die die Bereitschaft unseres Herzens auf die Probe stellen, sich der immer wieder überraschenden Großzügigkeit Gottes hinzugeben und sich von ihr umhüllen zu lassen. Die überraschende Großzügigkeit Gottes ist genau das, was das Gleichnis vom Sämann offenbart.

Die überraschende Großzügigkeit Gottes

So unterschiedlich sind die vier Böden, aber zwei Dinge haben sie alle gemeinsam. Das Saatgut und den Sämann. Der Sämann sät auf allen vier Böden die gleichen Samen mit gleicher Arbeit, gleicher Hoffnung und gleicher Großzügigkeit. Der Sämann tut dies ohne Bewertung der Qualität oder des Potenzials des Bodens. Es gibt keinen Boden, der ungesättigt bleibt. Kein Boden wird für die Samen des Sämanns als unwürdig erklärt. Es geht nicht um die Qualität des Bodens. Es geht um die Qualität von Gott, dem göttlichen Sämann. Wir wollen beurteilen, was für ein Boden wir sind. Gott will einfach sein Leben in unseres säen. Kein Leben, keine Person, kein Boden bleibt ungesättigt.

Die Ernte wird mit Sicherheit eintreffen. „Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.“ Der gute Boden bringt Früchte hervor.

Liebe Schwestern und Brüder, lasst uns Frucht bringen, geistliche Frucht. Gott sät auf vielfache Weise sein Wort in uns hinein. Lassen wir es tief in unsere Herzen fallen, wachsen, reifen und vielfache Frucht bringen! Möge Gott uns dazu führen. Und mögen wir immer auf diese Weise gesegnet sein durch die Verkündigung seines Wortes. Amen.

Suandei nus per plascher sin: