Gedanken zum 2. Fastensonntag Lesejahr A

vom Pfr. Mathew Kurian, Disentis

Am zweiten Fastensonntag meditieren wir über die Verklärung des Herrn auf dem Berg Tabor. Dieser Berg ist der Mittelpunkt dieses Ereignisses der Verklärung. Berge spielen im Leben Jesus überhaupt eine große und wichtige Rolle. Er geht auf die Berge, um sich zurückzuziehen, um allein zu sein, um zu beten.

Die Erzählung der Verklärung Jesu aus dem Matthäusevangelium besteht aus drei Teilen:

1. Den Berg hinaufgehen

2. Der Moment der Gnade auf dem Berg 

3. Mit den Früchten dieser Erfahrung den Berg hinunterkommen

Lasst uns über diese drei Aspekte der Evangeliumsgeschichte nachdenken und sehen, was sie für uns heute bedeuten könnten, insbesondere bei unserer Vorbereitung auf Ostern. 

1. Den Berg hinaufsteigen: Die Phase der Vorbereitung

Das Evangelium von Aschermittwoch schlug ein Programm für die spirituelle Reise der Fastenzeit vor: „Fasten, Gebet und Almosengeben“. Diese drei „Strategien“ sind nicht nur für die Fastenzeit relevant, sondern für unser gesamtes christliches Leben. Die Fastenzeit ist nur eine intensive Art, unser christliches Leben zu leben.

Daher sind Fasten, Gebet und Almosengeben Wege, um über uns hinauszugehen und unser Herz ganz auf Gott auszurichten (vertikale Dimension – im Gebet) und unsere Hände zu unseren Nachbaren auszustrecken (horizontale Dimension – in Nächstenliebe). Diese beiden Dimensionen unserer christlichen Lebensreise sind wie ein Aufstieg auf den Berg und ein Abstieg.

Was sagt uns der heutige Evangeliumstext über den Aufstieg auf den Berg etwas präziser; über das christliche Gebet?

Mindestens drei Punkte werden mir klar:

Erstens: Es ist Jesus, der „Petrus, Johannes und Jakobus mitgenommen hat und den Berg hinaufgegangen ist, um zu beten“. Es ist Gott selbst, der uns ermöglicht, ihm im Gebet zu suchen. So wie es Gott war, der Abram einlud, einen Bund mit ihm einzugehen (Gen 15:5-12), so wie es Gott war, der Mose auf den Berg einlud (Ex 24:12-18; 34:2), so wie es Gott war, der Elija auf den Berggipfel einlud (1. Kön 19:11-13), ist es Gott, der uns einlädt, im Gebet eine Beziehung mit ihm einzugehen.

Zweitens: Im Gegensatz zu den alttestamentlichen Berichten über die Begegnung Gottes mit Menschen wie Abram, Moses und Elia nimmt Jesus im Neuen Testament drei seiner Apostel mit. Auf dem Berg gibt es eine Gemeinde. Auch wenn Gott uns persönlich einlädt, ihm zu begegnen, geschieht dies oft im Kontext der Gemeinschaft.

Und drittens: Es liegt an uns, auf die Einladung Gottes zu antworten. Petrus, Johannes und Jakobus antworten auf die Einladung Jesu, den Berg hinaufzugehen.

2. Der Moment der Gnade auf dem Berg: Eine Erfahrung der Einzigartigkeit Jesu

Auf dem Berg sind die drei Jünger privilegiert, um eine Theophanie zu bezeugen, obwohl sie nicht in der Lage sind, Gott selbst zu sehen. Der Apostel Matthäus sagt uns: „Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus“ (Mt 17:3). Sie sehen Jesus in der Gesellschaft von zwei grossen Männern aus der Geschichte Israels: Mose und Elija. Mose steht für das Gesetz und Elija für die Propheten. Dies verdeutlicht, dass Jesus die Erfüllung des Alten Testaments ist.

Matthäus sagt uns, dass Elija und Mose körperlich anwesend waren, also akzeptieren wir einfach, dass Gott erwecken kann, wen er will, wann immer er will. Das Thema des Gesprächs zwischen Jesus und den beiden grossen Persönlichkeiten ist „sein Tod, den er in Jerusalem vollbringen sollte“ (Lk 9:31). Sie sprachen über Jesus – sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung! Sie sprachen über das Evangelium!

Die Reaktion von Petrus auf diese Theophanie ist „Verwirrung“ und die Unfähigkeit die Tiefe dieses Ereignisses zu verstehen. Petrus schlägt Jesus vor, „drei Hütten zu bauen…“ (Mt 17:4). Er setzt Jesus mit Mose und Elija gleich.

Was dann folgt- „eine leuchtende Wolke“ ist eine klare Deklaration, wer Jesus wirklich ist. Aus der Tradition des Buches Exodus ist die Wolke ein starkes Symbol für die Gegenwart Gottes (Ex 24:17; 1 Kön 8:11).  Als ob dies nicht genug wäre: aus der Wolke rief eine Stimme: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören” (Mt 17:5). Dies ist Gottes Erklärung an die Welt, dass Jesus nicht nur sein Sohn ist, sondern derjenige, der die Sünden der Welt am Kreuz tragen würde. Dies war für die Jünger eine Erfahrung, die Gott in der Person Jesu erlebte.

Den Berg hinaufzugehen ist unsere Willensentscheidung um auf die Einladung Gottes zu reagieren. Aber was tatsächlich auf dem Berggipfel passiert, ist Gnade Gottes. Die Erfahrung Gottes kann vergänglich sein. Wir können nicht daran festhalten. Wir können unsere Zelte nicht auf dem Berggipfel aufschlagen. Aber seine Nachwirkung tragen wir zu unseren täglichen Begegnungen mit.

3. Mit den Früchten dieser Erfahrung den Berg hinunterkommen: Nachdenken und weitertragen

Wie kommt es zur Nachwirkung? Erstens durch Stille und Kontemplation. Lukas sagt uns in seinem Evangelium: „Die Jünger schwiegen und erzählten zu dieser Zeit niemandem, was sie gesehen hatten“ (Lk 9:36b). Gottes Erfahrung lädt uns zum Schweigen und Nachdenken ein, damit die Auswirkungen der Erfahrung vertieft werden können.

Zweitens ist diese Stille nicht unbedingt eine dauerhafte Isolation von der Welt. Es ist auch etwas, das auf den Marktplatz, in unser tägliches Leben, in unsere Häuser, an den Ort der Arbeit und des Studiums übertragen wird.

Die spirituellen Übungen der Fastenzeit sollen uns die Möglichkeit bieten, Gott tiefer zu erfahren und diese Erfahrung in unsere Begegnung mit Menschen zu tragen. Lasst uns beten, dass wir in den kommenden Tagen für diese Möglichkeit offen sind.

Suandei nus per plascher sin: