Gedanken zum 1. Fastensonntag im Jahreskreis B (Mk 1, 12-15)

Versuchung in der Wüste

40 Tage

Liebe Schwestern und Brüder

Am ersten Sonntag der Fastenzeit geht es im Evangelium um die Versuchung Jesu in der Wüste, wo er vierzig Tage lang fastete. Dieses Ereignis im Leben Jesu wird in jedem der synoptischen Evangelien – Matthäus, Markus und Lukas – berichtet. Der Bericht in diesem Jahr stammt aus dem Markusevangelium und ist sehr, sehr kurz.

Der Evangelist Markus erzählt uns einfach, dass Jesus vierzig Tage in der Wüste war. ‚Vierzig‘ ist symbolisch für eine Generation, eine Lebenszeit. Das Volk Israel wanderte vierzig Jahre lang in der Wüste (Dtn 8,2). Praktisch war es eine neue Generation, die „das gelobte Land“ betrat (Num 32,13). Die Zahl vierzig symbolisiert eine Zeit des Gebets, wie die Dauer, die Mose in Gemeinschaft mit Gott auf dem Berg Sinai verbrachte (Ex 24,17-18; 34-28). Sie symbolisiert die Reise eines jeden Menschen zum Berg Gottes, wie Elija „vierzig Tage und vierzig Nächte lang wanderte, bis er zum Horeb, dem Berg Gottes, kam“ (1Kön 19,8). Es ist diese Reise, an die uns die Fastenzeit erinnert! Es ist die Natur dieser Reise, die uns das heutige Evangelium aus dem Leben Jesu erzählt.

Wüste

Der Evangelist Markus beginnt sein Evangelium mit der Predigt von Johannes dem Täufer, gefolgt von der Taufe Jesu. Da wird der Himmel zerrissen, der Geist kommt wie eine Taube herab, und eine Stimme verkündet: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“ (Mk 1,11). Von dort trieb der Geist ihn sogleich hinaus in die Wüste. Die Taufe mag im Fluss stattfinden, aber das Leben des Täuflings beginnt in der Wüste.

Jesus weiß, wie es ist, in Versuchung zu geraten. Jesus weiß, wie es ist, herausgefordert zu werden. Jesus weiß, wie es ist, in der Wüste zu sein. Er ist dort gewesen. Und es war in der Wüste, dass er kämpfte, trauerte, zweifelte und große Versuchungen erlitt. Aber diese Geschichte handelt nicht nur von Jesus. Es ist auch unsere Geschichte. Die Worte des Vaters in der Taufe beziehen sich auf Jesus in einer einzigartig wörtlichen Weise, aber sie gelten auch für jeden von uns.

Fastenzeit

Darum geht es in dieser Fastenzeit. Es ist kein Zufall, dass wir am Mittwoch mit der Asche des Gedenkens, dem Staub unserer Schöpfung, gezeichnet wurden, und heute führt uns das Evangelium in die Wüste. Diese Umstände können nicht getrennt werden. Die Asche des Mittwochs führt uns auf den Boden der Wüste. Wir können der Wüste niemals entkommen oder ausweichen.

In der Wüste werden wir mit der Realität unseres Lebens konfrontiert; mit den Dingen, die wir getan und nicht getan haben, mit unseren Ängsten, unseren Hoffnungen und Träumen, unseren Sorgen und Verlusten sowie mit den unbekannten Bedrängnissen. Diese Tatsachen unseres Lebens sind die Quelle unserer Versuchungen. Wie Jesus müssen wir durch sie hindurchgehen. Wir müssen uns den Versuchungen des Teufels stellen.

Die wirklichen Versuchungen kommen aus unserem Inneren, nicht aus unserem Umfeld. Gott führt uns nicht in Versuchung, um zu sehen, ob wir bestehen oder versagen. Die Versuchungen sind zu unserem Nutzen, nicht zu Gottes. Sie sind ein Teil unserer Errettung. Wir erleben die Versuchungen der Wüste, um zu entdecken, dass unsere authentischste Identität die eines geliebten Kindes Gottes ist und dass unser einziges wirkliches Zuhause bei Gott ist.

Mein geliebter Sohn

Doch wir gehen nie allein. Die Engel, die Jesus gedient haben, werden für uns da sein. „Vergiss nicht, wer du bist“, ist ihre Botschaft. „Du bist ein geliebter Sohn Gottes. Du bist eine geliebte Tochter Gottes. Du bist einer, an dem er Gefallen gefunden hat.“ Immer und immer wieder sagen sie es uns. Sie erinnern uns. Sie ermutigen und beruhigen uns.

Liebe Schwestern und Brüder

Während der Fastenzeit werden wir vom Heiligen Geist geführt und an das Taufgelübde erinnert, in dem wir versprochen haben, die Sünde abzulehnen und Jesus zu folgen. So wie Jesus von den Engeln betreut wurde, unterstützt Gott auch uns in unserem Kampf gegen Sünde und Versuchung. Wir sind erfolgreich, weil Jesus die Sünde ein für alle Mal in seinem rettenden Tod am Kreuz besiegt hat. Amen.