Gedanken zum 6. Sonntag Jahreskreis B (Mk 1, 40-45)

Die Berührung, die verwandelt

Liebe Schwestern und Brüder

Das heutige Evangelium berichtet von einem der mächtigsten und erstaunlichsten Wunder, die Jesus je vollbracht hat. Hier heilt Jesus einen Aussätzigen. Diese Heilung war eines der Zeichen, die bewiesen, dass Jesus der Messias war (Mt 11, 5). Aussatz umfasste in der Bibel eine Reihe von Hautkrankheiten. Noch wichtiger war, dass sie eine Person unrein machte. Das levitische Gesetz war sehr klar in seinen Geboten an Aussätzige (Lev 13, 45-46). Das Gesetz verlangte, dass ein Aussätziger sich von anderen fernhält – eine soziale und religiöse Ausgrenzung. Zur Zeit Jesu hatten die Rabbiner dem Gesetz über die Aussätzigen viele weitere Einschränkungen hinzugefügt. 

Die letzte Hoffnung auf ein Heilmittel!

Was brachte diesen armen Mann zu Jesus? Vielleicht hörte er die gute Nachricht, dass Jesus Kranke geheilt und Dämonen ausgetrieben hatte. Er hörte das Wort irgendwie und der Glaube wurde in seinem Herzen geweckt. Vielleicht sagte er in sich: „Wenn Jesus all diese Dinge für andere tun kann, bin ich sicher, dass er auch mich heilen kann!“ Er machte sich auf den Weg dorthin, wo Jesus war. Es erforderte großen Mut für diesen Mann, sich dem Erlöser an diesem Tag zu nähern. Er riskierte Steinigung, Demütigung und Tod, um zum Herrn zu gelangen.

Wir können uns die Reaktion der Menge vorstellen, als dieser Aussätzige begann, sich durchzudrängen. Sie müssen sich vor Schrecken zerstreut haben, als der Aussätzige sich mit seinen Ruf ‚Unrein’ bemerkbar machte. Sicherlich versuchten sie ihn zu entmutigen. Aber in seinem Herzen war der Glaube geweckt worden und der Glaube drängte ihn zu Jesus. Die letzte Hoffnung auf ein Heilmittel! Das ist die Art und Weise, wie es funktioniert. Der Geist Gottes erweckt den Glauben im Herzen des verlorenen Menschen.

Verstoß gegen das Gesetz

Er kam demütig. Seine Worte sind von Glauben erfüllt. Sein tiefer Wunsch nach Heilung bricht den Kodex, indem er sich Jesus näherte. Er fiel vor Jesus auf die Knie und sagte: „Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.“ Er glaubt, dass Jesus seinen Platz in der Gemeinschaft, in seiner Familie, im religiösen Leben des Volkes Gottes wiederherstellen kann.

Er wusste nicht, was Jesus tun würde; er legte die Sache einfach in die Hand des Herrn und überließ sie ihm. Welch ein Glaube! Diejenigen, die mit einem demütigen Geist und einem Herzen des Glaubens zu Jesus kommen, werden niemals vernachlässigt. Da geschieht ein göttliches Eingreifen.

Die Barmherzigkeit Jesu

Jesus sieht diesen Mann und er sieht seinen Zustand. Er schreckt nicht ängstlich vor dem Aussätzigen zurück, wie es der Rest der Leute tut. Er ist nicht abgestoßen von seinem Aussehen oder von seinem Geruch. Es wird uns gesagt, dass Jesus „von Mitleid ergriffen“ ist.

Jesus liebte diesen Mann, wie andere einen Bruder oder einen Sohn lieben würden! Dann tat Jesus etwas sehr Seltsames: „Er streckte seine Hand aus,  die ihn berührte“. Er schaute Jesus mit Tränen in den Augen an. Es war schon Jahre her, dass jemand diesen Mann berührt hatte. Es war Jahre her, dass dieser Mann seine Frau oder seine Kinder gehalten hatte. Er war isoliert und allein gewesen!

Aber Jesus berührte ihn! Er bricht die „Nicht berühren“-Regel. Es ist nicht der Aussätzige, der ansteckend ist, sondern Jesus! Der Aussätzige überträgt nicht seine Unreinheit auf Jesus, sondern Jesus überträgt seine Ganzheit und Heiligkeit auf den Aussätzigen und macht ihn rein! Oh, wie herrlich muss sich diese eine Berührung für diesen Mann angefühlt haben! 

Der Befehl des Jesus

Alles änderte sich, als der Meister sprach! Der Mann war begeistert von dem, was Jesus für ihn getan hatte. Es war ein Wunder. Es hatte sein Leben verändert. Dem Aussätzigen sagte Jesus jedoch ausdrücklich, er solle zum Priester gehen und sich offiziell für gereinigt erklären lassen, damit er wieder in die Gesellschaft eintreten könne. Und befahl ihm: „Erzählt  niemand etwas davon“. Er gehorchte Jesus nicht und ging zu allen, die er finden konnte.

Jesus und der Aussätzige tauschen die Plätze

Das ist ironisch. Der Aussätzige musste außerhalb der Städte leben, aber Jesus konnte sich innerhalb der Städte frei bewegen. Nachdem Jesus den Mann geheilt hatte, konnte der Mann frei innerhalb der Stadt leben, aber Jesus musste außerhalb der Städte bleiben.

Es ist, als hätten sie den Ort gewechselt. Der Evangelist Markus sagt, dass Jesus ‚nirgendwo öffentlich eine Stadt betreten konnte.‘ Manche sehen das als einen Hinweis auf das, was für Jesus noch kommen wird. Jesus tauscht den Platz mit den Aussätzigen der Welt. Jesus tauscht den Platz für die Sünder dieser Welt. Anstatt dass wir ans Kreuz gehen, geht Jesus ans Kreuz. Anstatt dass wir für unser Versagen und unsere Schwäche sterben, stirbt Jesus für unsere Sünden.

Uns wird gesagt, dass „Jesus ihn auf seinen Weg schickte“. Jesus gab diesem Mann eine Mission. Jesus hatte sein Leben verändert und nun will Jesus durch sein Leben wirken. Das Gleiche gilt für uns. Jesus hat eine Aufgabe für uns. Er wird uns auch auf eine Mission schicken, mit unseren eigenen Geschichten. Amen.