Gedanken zur Taufe des Herrn B (Mk 1,7-11)

Liebe Schwestern und Brüder

Die Weihnachtszeit geht mit dem Fest der Taufe des Herrn zu Ende. Der Evangelist Markus stellt die Taufe Jesu ganz an den Anfang seines Evangeliums. Dies ist das erste Auftreten Jesu. Er kam aus Nazareth in Galiläa und wurde von Johannes im Jordan getauft.

Die Taufe des Johannes hatte zwei Komponenten – Buße und Vergebung (Mk 1,4). Als Johannes erklärt, was mit Jesus geschah, fügt er hinzu, dass die Taufe nicht nur mit Wasser, sondern mit dem Heiligen Geist erfolgt. Diese Elemente gelten auch heute noch für die Taufe. Die Taufliturgie markiert das Ende des alten Lebens und den Beginn eines neuen Lebens in Gottes Gnade und Vergebung. Dann fügt Johannes mit der Gabe des Heiligen Geistes eine neue Komponente hinzu, die auch Teil unseres Taufgottesdienstes ist.

Warum wurde Jesus getauft?

Dieses Ereignis erinnert an das Ende der Kindheit und Jugend Jesu und markiert den Beginn seines öffentlichen Wirkens. Es gibt drei gemeinsame Elemente, die von den synoptischen Evangelien in ihrer Erzählung von der Taufe Jesu bezeugt werden: (a) der Himmel öffnete sich, (b) der Heilige Geist kam in Form einer Taube herab und (c) eine Stimme wurde gehört (Lk 3,22; Mt 3,16-17; Mk 1,10-11). Vielleicht hilft uns ein Blick auf diese Elemente um ein wenig zu verstehen, was dieses Ereignis für Jesus bedeutet haben könnte.

Der Himmel ist geöffnet

Der Prophet Jesaja klagt: „Wahrhaftig, du bist ein verborgener Gott“ (Jes 45,15). Und der Psalmist betet: „Dein Angesicht, Herr, will ich suchen. Verbirg nicht dein Gesicht vor mir“ (Ps 27, 8b-9). An anderer Stelle ruft wiederum der Prophet Jesaja aus: „Reiße doch den Himmel auf, und komm herab“ (Jes 63,19). Und wieder der Psalmist: „Herr, neig deinen Himmel und steig herab, rühre die Berge an“ (Ps 144,5).

Doch plötzlich gibt es eine Überraschung in der Heilsgeschichte. Der Himmel öffnet sich und Gott wird in der Person Jesu sichtbar gemacht. Mit Hand und Fuß. Ein Mensch, in dem Gott sich uns zeigen und zu uns Menschen sprechen kann. Vielleicht war das auch für Jesus selbst wichtig. Er versteht sich als die Erfüllung des Gebets Israels.

Der Heilige Geist kam in Form einer Taube herab

Wie die Taube, die Noah (Gen 8) nach der Sintflut die Botschaft der Hoffnung brachte, so bringt der Heilige Geist in Form einer Taube, wenn Jesus aus dem Wasser kommt, eine Botschaft der Hoffnung zur Menschheit. Jesus wird zum König, Priester und Propheten gesalbt. Jesus beginnt vielleicht, sich selbst als den Messias zu verstehen – den Gesalbten! Wie Petrus erklärt: „Wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog und Gutes tat….“ Apg 10.38).

Und dann die Stimme

„Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich gefallen gefunden“ (Mk 1,11). Es ist wichtig zu beachten, dass dieser Satz an Jesus in der 2. Person gerichtet wird. Jesus wird als der 2. Adam angesprochen. Jesus wird als der neue David angesprochen. Aber vor allem ist Gott für Jesus der „Abba“ selbst! Und die Prophezeiung von Jesaja erfüllt sich: „Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt” (Jes 42,1).

Nach der Taufe hat Jesus seine Reise begonnen. Die Reise, nicht nur der Messias zu sein, sondern der Sohn! Die Reise, die ihn durch drei Jahre aktiven Dienst des Predigens und Heilens führen wird, und die ihren Höhepunkt am Kreuz und der Auferstehung haben wird.

Was bedeutet unsere eigene Taufe für uns?

Wir wurden auch getauft, die meisten von uns als Säuglinge. Wenn wir als Säuglinge getauft wurden, dann sollten wir unseren Eltern dankbar sein, die uns mit dem Glauben beschenkt haben, den sie empfangen hatten. 

Die Taufe Jesu geschah um unseretwillen und zu unserer Errettung. Jesus brauchte nicht getauft zu werden. Wir brauchten ihn, um getauft zu werden. Das Taufwasser hat Jesus nicht geheiligt. Stattdessen heiligt er das Wasser für unsere Taufe. Seine Taufe ist nicht das Mittel, durch das wir uns mit ihm identifizieren, sondern das Mittel, durch das er sich mit uns identifiziert. Unsere Taufe erlaubt uns, an seiner Taufe teilzuhaben. Auf diese Weise wurde unsere Taufe bestätigt.

Ein wunderbarer Aspekt der Taufe Jesu ist, dass sie daran erinnert, dass er nicht nur unser Herr, sondern auch unser Bruder ist. Er wurde getauft, genau wie wir es sind. Er hat Anteil an unserer Menschlichkeit.

So begann unsere Reise: die Reise des christlichen Lebens. Das bedeutet nicht, dass es keine Versuchungen und Schwierigkeiten gibt. Wir sollten nicht vergessen, dass die Evangelien auch über die Versuchungen Jesu sprechen, die bald nach seiner Taufe auftraten. Durch das Sakrament der Taufe werden wir daran erinnert, dass Gottes Gnade – seine gütige Hilfe – uns immer zur Verfügung steht. Es liegt an uns, seine unentgeltliche Gabe dankbar anzunehmen. Amen.