Gedanken zu Weihnachten B 2020 (Lk 2, 1-14)

Liebe Schwestern und Brüder, 

Heute möchte ich mich auf einen Vers der Heiligen Schrift konzentrieren, der uns das Herz von Weihnachten näher bringt: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren, er ist der Messias, der Herr“ (Lk 2, 11). Dieser Vers lehrt uns etwas Wichtiges, nämlich warum Christus auf die Erde kam und was sein Kommen für jeden von uns bedeuten kann.

Die Prophezeiung seines Kommens

Beachten wir den einfachen Satz: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren“. Die Stadt Davids ist nicht Jerusalem – es ist Bethlehem, das südlich von Jerusalem liegt. Als Jesus geboren wurde, war es eine winzige jüdische Gemeinde. Das moderne Betlehem ist eine belebte, geschäftige Stadt mit Tausenden von Menschen. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist die Geburtskirche im Zentrum der Stadt. Sie wurde am traditionellen Ort der Geburt Jesu erbaut und ist eine der ältesten Kirchen im Heiligen Land. Sie wurde vor 1700 Jahren zum ersten Mal an dieser Stelle erbaut und im Laufe der Jahrhunderte immer wieder erweitert, angebaut und restauriert.

Bethlehem wird die „Stadt Davids“ genannt, weil David hier zusammen mit seinem Vater Jesse und seinen sieben Brüdern aufwuchs. Tatsächlich hütete David Schafe auf den Feldern außerhalb des Dorfes, genau wie die Hirten in der Nacht, in der ihnen der Engel erschien.

Siebenhundert Jahre zuvor hatte der Herr durch den Propheten Micha gesprochen und erklärt, dass der Messias in Betlehem geboren werden würde: „Aber du, Bethlehem-Efrata, so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll“ (Mi 5:2). Diese Prophezeiung kam vom Herrn im Jahr 700 v. Chr., als Bethlehem ein winziges, unbedeutendes Dorf war.

Die Juden wussten, dass der Messias dort geboren werden würde. Im 2. Kapitel vom Matthäusevangelium lesen wir, dass die Weisen zu Herodes nach Jerusalem kamen und fragten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“ (Mt 2,1-6). Eine gute Frage. Wo soll denn der Messias geboren werden? Herodes versammelte seinen theologischen Rat und stellte ihnen die gleiche Frage. Sie antworteten, indem sie Micha 5,2 zitierten. Das ist es, was ich mit der Tatsache meine, dass die Juden es wussten. Gott hatte ihnen genau gesagt, wo Christus geboren werden würde. Es gab überhaupt kein Geheimnis darum. 

Wenn wir über die „Stadt Davids“ lesen, sollten wir uns daran erinnern, dass Jesus in Erfüllung einer Prophezeiung geboren wurde, die 700 Jahre zuvor gemacht wurde. Es sollte uns auch daran erinnern, dass Wissen allein nie genügt, um uns zu retten. Nicht was man weiß, sondern was man tut, mit dem was man weiß, macht den Unterschied.

Die Realität seines Kommens

Es gab keine Wunder, die mit der physischen Geburt von Jesus verbunden waren. Auch wenn wir oft von der Jungfrau-Geburt Christi sprechen, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass das eigentliche Wunder neun Monate zuvor stattfand, als der Heilige Geist Maria überschattete mit dem Ergebnis, dass sie, obwohl sie eine Jungfrau war, schwanger wurde. Das war ein riesiges Wunder, das sich in der Weltgeschichte nie wiederholt hat.

Die beiden Evangelisten Matthäus und Lukas schreiben die Empfängnis von Jesus Christus eindeutig dem Wirken des Heiligen Geistes zu. Welche Bedeutung hat die Tatsache, dass Jesus vom Heiligen Geist gezeugt wurde? Da Jesus von Maria geboren wurde, wissen wir, dass er wirklich ein Mensch war. Da er durch den Heiligen Geist gezeugt wurde, wissen wir, dass er mehr als ein Mensch war. Die Geburt Jesu war Gottes Art, der Welt zu verkünden, dass Jesus wirklich sein Sohn ist.

Der Sohn Gottes trat in das Menschengeschlecht ein, nahm alle Aspekte des wahren Menschseins auf sich, blieb jedoch sündlos und gab keinen Aspekt seiner Gottheit auf. So war das Kind in der Krippe wahrhaftig der allmächtige Gott vom Himmel. Er war ganz Gott und doch gleichzeitig ganz Mensch. Gottheit und Menschlichkeit waren miteinander verbunden.

Wenn wir also lesen „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren“, sollten wir uns daran erinnern, dass dies auf etwas Wahres hinweist – ein Ereignis, das wirklich stattgefunden hat. Nicht eine Legende oder ein Mythos oder ein schön erzähltes Märchen. Alles am biblischen Bericht über die Geburt Jesu ist wahr, einschließlich der zentralen Wahrheit, dass in Bethlehem wirklich ein Kind geboren wurde, das wirklich der Sohn Gottes war.

Das Ergebnis seines Kommens

„Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren, er ist der Messias, der Herr“.  Jedes Wort ist von entscheidender Bedeutung. ‚Retter‘ ist eigentlich ein alttestamentliches Wort, das „Einer, der sein Volk befreit“ bedeutet. Christus ist die griechische Version des hebräischen Wortes ‚Messias‘, was „der Gesalbte“ bedeutet. ‚Herr‘ ist ein Begriff für die Gottheit. Es ist ein Synonym für Gott.

Wir brauchen dringend einen Retter, nicht wahr? Als der Engel Josef die Geburt Jesu ankündigte, sagte er, „ihm sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“(Mt 1,21). Er ist der Retter, er ist der Herr, und er ist der Christus – der von Gott Gesandte. Das ist das Herz von Weihnachten. Gott hat uns genug geliebt, um seinen eingeborenen Sohn zu schicken. 

Als Gott bereit war, die Welt zu retten, schickte er den Besten, den er hatte – seinen einzigen Sohn. Das ist die überwältigende Wahrheit von Weihnachten – Immanuel – Gott mit uns.

Der Zweck seines Kommens

Unser Text enthält eine letzte Wahrheit für unsere Betrachtung. „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren“. Beachten wir das Wort: „Euch”, wer da spricht und wer angesprochen wird? Als die Hirten diese Worte des Engels hörten, müssen sie erstaunt gewesen sein. Sie waren die ersten, die die gute Nachricht von Weihnachten hörten. Sie waren oft arm und ungebildet und manche waren noch recht jung. Wenn der Engel also sagt: ‚Euch ist das Kind geboren‘, dann sagt er in Wirklichkeit: „Christus kam für die einfachen Hirten.“ Darin liegt eine große Lektion für uns alle. Unser Herr kam für die vergessenen Menschen der Erde und meistens sind sie diejenigen, die ihn mit der größten Freude empfangen. 

Christus ist für uns gekommen

Der Engel sagte: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren, er ist der Messias, der Herr“. „Für euch.“ Er kam für mich und für dich. Das ist der Punkt, an dem Weihnachten sehr persönlich wird. Das Wort wird Fleisch. Gott wird Mensch. Er macht sich uns gleich: Er wird schwach und klein, er wird nackt und bloß – und schämt sich nicht einmal dafür, denn er tut es doch aus Liebe.Gott wird Mensch – damit der Mensch gerettet wird und Gott ähnlich werden kann.

Liebe Schwestern und Brüder, 

Vor zweitausend Jahren schickte Gott ein Geschenk, das in Windeln gewickelt und in einer Krippe lag. Jesus ist das Weihnachtsgeschenk Gottes an uns. Ja, Gott ist uns nahe: das Heil ist unter uns gegenwärtig. In diesem Sinne wünschen wir uns alle eine gesegnete weihnachtliche Zeit und Gottes Schutz und Segen für unser ganzes Leben hier auf Erden. Amen.