Gedanken zum 33. Sonntag A (Mt 25: 14-30)

Das Gleichnis von den Talenten

Liebe Schwestern und Brüder

Im heutigen Evangelium zeigt Jesus eine ausgezeichnete Kenntnis der Marktwirtschaft. Er scheint sich der Investitionen, Zinssätze und Aktien bewusst zu sein. Man könnte fast meinen, Jesus sei so etwas wie ein Finanzberater in einer Sparkasse oder Bank gewesen. So einleuchtend sind die Argumente in seinem Gleichnis. Man muss das Geld so verwalten, damit es sich vermehrt, damit die Kapitalerträge steigen.

Daher scheint es sehr aktuell zu sein, eine Predigt über Unternehmertum auf der Grundlage des heutigen Evangeliums zu gestalten. Aber im Rahmen der größeren Tagesordnung der Mission Jesu interpretiert, geht es in dem Gleichnis um nichts Materielles. Es geht nicht einmal um die eigenen Talente in Musik, öffentlichem Reden oder Organisation! 

Jesus will uns mit seinem Gleichnis wohl doch etwas anderes sagen. Es geht ihm gar nicht ums Geld. Es geht um viel mehr und um viel Wichtigeres. Es geht um das ganze Leben. Ich würde sagen, dass es im heutigen Evangelium um Möglichkeiten geht, die Gott uns bietet, damit wir mit ihm kommunizieren und Mitgefühl für andere haben können. Das will uns Jesus sagen: Mach etwas aus deinem Leben! Sieh also zu, dass du selber reifer und wertvoller wirst, damit sich dein Aufenthalt in dieser Welt auch für Gott einmal rentieren wird. 

Im Gleichnis heißt es: „Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.“ Was hat Gott uns doch alles anvertraut! Gott vertraut uns die Früchte des Heiligen Geistes an. Es sind alle die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die uns das Dasein bietet: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Vertrauen, Sanftmut und Selbstbeherrschung… (Gal 5:22-23; siehe auch 1Kor 12 & 13; Kol 3:12). Im Evangelium von heute geht es um diese Gaben. Und das sind die „Talente“, die Gott zur Verfügung stellt. Wenn wir dran bleiben, wird Gottes Gnade und Liebe in unserem Leben reichen Zinsertrag bringen.

Im Gleichnis wird jedem entsprechend seiner Fähigkeit gegeben. Die Talente werden nicht wie natürliche Gaben an alle Menschen frei verteilt, sondern nur an diejenigen, die in gewisser Weise die Beziehung eines Dieners des Herrn haben. An sie ist er bereit, seinen Besitz zu verteilen.

Er gab „dem einen fünf Talente, dem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten“. Hier erfahren wir, dass es sich bei den Talenten eindeutig nicht um natürliche Fähigkeiten handelt, sondern dass sie tatsächlich auf der Grundlage der natürlichen Fähigkeiten verteilt sind. Was auch immer die Talente sein mögen, eines ist sicher klar: Es sind keine natürlichen Fähigkeiten. Vielmehr wird die Anzahl der Talente durch die Anzahl der natürlichen Begabungen, die sie besitzen bestimmt.

Die ersten beiden Diener machen Geschäfte mit den Talenten des Meisters und verdoppeln sein Geld. Sie haben entsprechend ihrem Potenzial gearbeitet und sind treu gewesen, das zu tun, was der Meister von ihnen verlangt hat. Die Antwort des Meisters auf jeden ist die gleiche: Komm, nimmt teil an der Freude deines Herrn“. Das ist es, was der gläubige Christ erwarten kann, zu hören, wenn Christus wiederkommt.

Der dritte Diener hat nicht so viel Glück. Er hatte Angst davor, das Geld des Herrn zu verlieren. Er hat keine Zuneigung für den Meister, ist nur um seine eigene Sicherheit besorgt und strebt nicht danach, dem Herrn gut zu dienen. Er hat das Geld vergraben, in der Vermutung, dies würde ihn vor Kritik schützen. Die Ironie besteht darin, dass der dritte Diener, dem es nur um seine persönliche Sicherheit geht, verliert diese Sicherheit, weil er nicht bereit ist, auch nur eine kleine Anstrengung zu unternehmen. Wie Jesus bereits sagte: „Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“ (10:39).

Für Matthäus steht hier die Frage im Vordergrund, ob seine Jünger treu sein werden, wenn sie die Gelegenheiten nutzen, um Menschen in das Reich Gottes zu bringen. Das Evangelium, das uns anvertraut ist, ist die Frohe Botschaft von einem Gott, der sogar seinen eigenen Sohn riskiert hat, um die Menschheit zu erlösen. Gott erwartet jetzt von uns, dass wir unsere Möglichkeiten – große oder kleine – nutzen, um das Evangelium mutig zu verkünden, auch im Angesicht der Gefahr. 

Alle, die Jesus nachfolgen wollen, sollen der ganzen Welt die gute Nachricht vom Reich Gottes verkünden, indem sie das Werk tun, zu dem der Meister sie berufen hat. Zu dieser Arbeit gehört es, die Kranken und Gefangenen zu besuchen, die Nackten zu kleiden, die Fremden zu empfangen und die Hungrigen zu speisen. Diejenigen, die für treu befunden werden, mögen ihren Meister sagen hören: „Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“ Die unvorstellbare, die volle Freude mit Gott! Es wird unsere beste Auszeichnung und unser höchster Gewinn sein, wenn er zu uns sagt: „Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“ Amen.