Gedanken zum 20. Sonntag A (Mt 15: 21-28)

Die Begegnung Jesu mit der kanaanäischen Frau

Das heutige Evangelium erzählt uns eine wunderbare Geschichte einer Mutter. Diese Mutter kam zu Jesus, weil sie um ihre Tochter besorgt war. Das Kind war von Dämonen besessen und verhielt sich wahrscheinlich in Gewalt und Wut. Sie war untröstlich über den Zustand ihres Kindes. Und sie war entschlossen, ihrem Kind die Hilfe zu geben, die es brauchte.

Diese Frau kam zu Jesus, weil in ihrem Herzen Glaube und Hoffnung entflammt wurden. Sie brauchte etwas, das ihr die Gesellschaft nicht hatte geben können. Sie brauchte eine Lösung, die sie aus eigener Kraft nicht hatte finden können. Sie war hoffnungslos und sie sah Jesus als ihre einzige Hoffnung!

Wie viele von uns können sich mit dieser armen, ängstlichen Mutter identifizieren?  Vielleicht haben wir auch mit einer solchen Situation zu tun, die außer Kontrolle geraten ist. Diese Frau kommt zu Jesus und bittet ihn um Hilfe, und wenn sie keine Antwort erhält, bleibt sie so lange hinter ihm her, bis sie bekommt, was sie will.

Was auch immer das Bedürfnis ist, wir sollten uns von dieser Frau eine Lektion erteilen lassen: Bringen wir dieses Bedürfnis zu Jesus!

Ich war auch mit solchen Situationen in meinem Leben konfrontiert. Es gibt Tage, an denen wir beten und keine Antwort erhalten. Wir kommen vor Gott und opfern alles, was wir sind und was wir haben. Wir sprechen unsere Worte, drücken unsere Gefühle aus, machen unsere Bedürfnisse kund und nichts geschieht. Wir warten. Gott schweigt!

Jesus ignoriert sie. Wie konnte er das tun? Warum sollte er das tun? Das scheint sogar grausam zu sein, und zumindest sind das keine sehr guten Manieren. Die Reaktion der Jünger ist noch schlimmer. Sie haben sich über das ständige Rufen der Frau zu Jesus, geärgert. Sie kommen und sagen zu Jesus: „Befrei sie, denn sie schreit hinter uns her“.

Diese Mutter wurde dreimal von Jesus und einmal von den Jüngern abgelehnt. Nach ihrer dritten Ablehnung von Jesus kam sie und huldigte Jesus mit den Worten: „Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.“ Eine kniende Frau muss nicht weit fallen. Aber Jesus antwortete ihr überhaupt nicht. Stattdessen redete er mit den Jüngern über sie. Sie hörte jedes Wort. „Ich bin nur den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt“, sagt Jesus zu ihnen. Für sie gibt es jedoch keine Worte, keine Gesten, keine Anerkennung, keine Erklärung. Überhaupt nichts.

Was tun wir, wenn das passiert? Wohin gehen wir? Geben wir auf? Werden wir wütend? Die Kirche kritisieren oder verlassen? Sie hätte nach Hause gehen, streiten oder fragen können: „Warum?“ Aber sie tat es nicht. Stattdessen kam sie Jesus näher, fiel vor ihm nieder und betete ihn weiter an und sagte: „Herr, hilf mir“. Das ergibt keinen Sinn, aber das ist es, was sie tut. Diese Frau, die von Jesus ignoriert und scheinbar zurückgewiesen wurde, kommt noch näher, tritt tiefer in sein Schweigen ein und bettelt wie ein Hund. Sie weiß nicht, wann und was er tun wird. Sie weiss nur, dass sie da sein wird, wenn er etwas tut.

Diesmal antwortet er. „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen“. Die Lektion besteht darin, einen „negativen Status“ in den Augen einiger in etwas mit positivem Wert zu verwandeln. Sie mag sozusagen zu einem Hunderudel gehören, aber es gibt genug „Brotreste“ nicht nur für die „Kinder“ (Juden), sondern auch für die „Hunde“ (Heiden wie sie selbst) unter dem Tisch.

Ich glaube, dass Jesus ihr indirekt sagen wollte, dass sie ihre Lebenssituation erkennen solle. Er nannte sie einen Hund, ein Tier. Diese Worte klingen so hart, so gemein, so falsch. Das sind sie auch. Aber vielleicht geht es dabei nicht um Jesus oder die Frau. Jesus benennt die Realität der Welt, in der sie beide leben. Die Realität ist, dass es Kinder gibt und dass es Hunde gibt. Wir sehen das jeden Tag. Einige sind drinnen und andere sind draußen. Für manche blüht das Leben auf. Andere kämpfen darum, es an einem anderen Tag zu schaffen. Kinder und Hunde!

Sie stimmt sogar mit Jesus überein. „Ja, du hast recht Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herrn fallen.“ Sie hat wieder einen Weg gefunden, aufzutauchen und präsent zu sein, auch wenn alle und alles gegen sie zu sein scheinen. Dieses Mal spricht und handelt Jesus. „Frau, deine Glaube ist Groß!“ sagt er ihr. Noch in dieser Stunde wird ihre Tochter geheilt.

Was machen wir also damit? Wer wird also in dieser Geschichte herausgefordert? Die Frau? Nein. Es ist Jesus, der herausgefordert wird. Es ist Jesus, dessen Identitäts- und Rollensinn als Messias erweitert wird. Wer bekehrt in diesem Abschnitt wen? Die Wahrheit ist, dass es ein Gefühl gibt, in dem die Frau Jesus bekehrt – nicht umgekehrt… Jesus muss die Grenzen seiner Mission (Heilungsmission) erweitern, um den Außenseiter einzubeziehen.

Ich weiß nicht, warum Jesus so handelte, wie er es tat. Vielleicht brauchen wir das nicht zu wissen. Vielleicht geht es in dieser Geschichte nicht einmal um Jesus. Es geht um uns, unseren Glauben und unsere Welt. Das Leben ist schwierig. Ein tiefer, beständiger Glaube ist ein echter Kampf. 

Gott kann oder kann nicht tun, was wir wollen. Das spielt eigentlich keine Rolle. Wenn wir nicht auftauchen, vertieft das nur die Kluft. Sich abzuwenden bedeutet, dass wir nicht da sein werden, wenn Gott handelt. Wir werden ihn verpassen. Wir werden den Augenblick der Heilung verpassen, die Worte der Vergebung und die Taten, die verwandeln.

Mit Geduld und langem Bitten erkennen wir, dass Jesus alle wirklich liebt. Amen.