Gedanken zum Pfingstsonntag A (Joh 20:19-23) 31.05.2020

Heute feiern wir Pfingstsonntag. Mit diesem Fest schließen wir die Osterzeit ab, die fünfzig Tage, die von der Auferstehung Jesu bis Pfingsten in besonderer Weise von der Gegenwart des Heiligen Geistes geprägt sind. Pfingsten nimmt im Leben und im liturgischen Kalender der Kirche eine sehr wichtige Stellung ein. Denn dies ist der Beginn der missionarischen Bemühungen der Kirche in der ganzen Welt.

Pfingsten brachte im wahrsten Sinne des Wortes frischen Wind für die Jünger Jesu. Das heutige Evangelium beschreibt, wie Jesus den Heiligen Geist über seine Jünger aushauchte, um ihren Frieden wiederherzustellen und sie von der Sklaverei der Angst zu befreien (Joh 20:19). Erfüllt vom Heiligen Geist haben die Apostel die ersten christlichen Gemeinden gegründet.

Beachten wir drei Dinge: Die Türen sind verschlossen; die Jünger haben Angst; und Jesus kommt zu ihnen und steht in ihrer Mitte. Diese drei Fakten können uns aufklären, wie der auferstandene Christus heute in unserem Leben wirken kann. 

Die Türen waren verschlossen

Jesus brauchte nicht anzuklopfen. Er brauchte nicht einmal die Tür zu öffnen. Er war einfach da. Der Evangelist beschreibt: „Er zeigte ihnen seine Hände und seine Seite.“ An einer anderen Stelle sagte Jesus: „Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht“ (Lk 24:39). Jesus hat also einen physischen Körper: Aber nicht genau wie wir, er ist gleich, aber anders gestaltet. Er war einfach da, trotz der verschlossenen Türen.

Das bedeutet, dass Jesus heute in unserem Leben dorthin gehen kann, wo kein anderer hingehen kann. Er kann dahin gehen, wo kein Berater hingehen kann. Er kann dahin gehen, wo kein Arzt hingehen kann. Er kann dahin gehen, wo kein Geliebter hingehen kann. Durch die Auferstehung von den Toten kann Jesus das tun, was kein anderer tun kann. Er ist lebendig, und er ist der eine und einzige Gottmensch.

Typisch Jesus: Kein Vorwurf wegen ihrer Feigheit, keine Kritik an ihrem Unglauben, kein Ärger über ihre Ängstlichkeit, sondern das Angebot eines neuen Friedens, einer neuen Freundschaft. Er wusste, dass der Heilige Geist befähigt und befreit. So ist der Geist, den wir empfangen haben, „nicht ein Geist der Verzagtheit, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2Tim 1:7).

Sie hatten Angst

Der heutige Abschnitt erläutert: „Die Jünger hatten aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen.“ Ihre Furcht ist völlig verständlich. Ihr Anführer war gerade als Bedrohung für den Kaiser gekreuzigt worden. Und in dieser Furcht kommt Jesus.

Angst, dass ich auf das, was von mir erwartet wird, nicht vorbereitet sein werde. Angst, dass die Kirche nicht gedeiht, oder dass die Konferenz nicht besucht wird, oder dass der Klasse nicht geholfen wird. Angst, dass meine Kinder mit ihrem Glauben Schiffbruch erleiden werden. Angst, dass ich nicht den Glauben habe, gut zu sterben. Angst vor Weltlichkeit und Nutzlosigkeit.

Und was Jesus mit dieser Situation sagen will, ist: Ich komme zu den Meinen, wenn sie Angst haben. Ich komme, um ihnen zu helfen, genug Glauben zu haben, um die Angst zu überwinden.

Der auferstandene, lebendige Jesus tut dies immer noch. Er kommt, wenn wir in unserer Angst zu ihm schreien. Er hilft uns. Ich habe tausendmal zu ihm gerufen: „Jesus, bitte hilf mir.“ Und er hat sich mit der Verheißung genähert: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott“ (Jes 41:10). Er wird dies auch für uns tun, wenn wir ihn in unserem Leben als Heiland aufnehmen.

Jesus kommt zu ihnen und steht in ihrer Mitte

Da kommt Jesus und tritt in die Mitte der Apostel, die sich vor lauter Angst fest eingeschlossen haben. Der Punkt hier ist, dass er mitten in ihre Versammlung kam. Er kam nicht an den Rand und rief durch die Wand und handelte mit ihnen, als sei er eine ferne Gottheit. Er wollte, dass sie ihn sehen und kennen und an ihn glauben und ihn lieben.

Das ist es, was er heute für uns will. Und das ist es, was ich mir heute für euch wünsche. Ich möchte, dass ihr den lebendigen Jesus erlebt. Ihn kennen lernt. Ihn in euer Leben einziehen lässt, wo kein anderer hingehen kann. Dass er euch in eurer Angst hilft, so wie kein anderer euch helfen kann. Und dass er zu euch kommt – nahe zu euch, nicht aus der Ferne zu euch ruft, sondern direkt in eure Mitte kommt.

Empfangt den Heiligen Geist

Jesus sagte noch einmal zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: „Empfangt den Heiligen Geist!“ (Joh 20:21-22). Jesus hat ein Geschenk für sie: Den Heiligen Geist! Diesen Geist der Lebendigkeit, der alles neu und gut machen kann – der Krummes gerade, Zerbrochenes heil und Totes lebendig machen kann – Gottes Kraft, die eine ganze Welt verändern kann. Dies kommt durch die verschiedenen Gaben, die wir vom Heiligen Geist empfangen. Durch sie werden wir mutig, Gott unseren Vater zu nennen (Röm 8:15) und vor allem unserer Welt zu verkünden, dass Jesus Christus der Heiland ist.

Der Heilige Geist, der an jenem ersten Pfingstfest kam, ist derselbe Heilige Geist, der heute in der Kirche und in der Welt wirkt. Je mehr wir den Heiligen Geist in unserem Leben erfahren, desto mehr wird eine Verwandlung in uns geschehen, so wie die Frucht des Heiligen Geistes zu wachsen beginnt. Das ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (Gal 5:22).

Lasst uns Gott für seinen Heiligen Geist danken! Und lasst uns unsere Verpflichtung gegenüber dem Vater und dem Sohn erneuern und sensibel für die Führung des Heiligen Geistes in unserem Leben sein, damit wir Christus ähnlich werden können. Amen.

Suandei nus per plascher sin: