Gedanken zum 6. Ostersonntag A (Joh 14:15-21)

Liebe Schwestern und Brüder

Das heutige Evangelium setzt die Abschiedsrede Jesu fort und bereitet seine Jünger auf seinen Weggang und den Empfang des Heiligen Geistes vor (Kap. 14-17). In diesem kurzen, aber kraftvollen Abschnitt wiederholt Jesus sein Lieblingsthema: die Liebe. Er verspricht auch das Kommen des Heiligen Geistes und betont die innige Einheit von Gott, Jesus, dem Geist und dem Gläubigen.

Die Kraft der Liebe

Das Wort „Liebe“ (agapao, phileo) kommt 57 Mal im Johannesevangelium vor. Der heutige Abschnitt beginnt und endet auch mit Liebe. Jesus sagt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh 14:15). Welche Gebote soll man halten?

Bekanntlich gibt Jesus im Johannesevangelium nur ein einziges Gebot und zwar es geschieht während der Fußwaschung. „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt“ (Joh 13:34-35). Dieses Gebot bekräftigt er zweimal in seiner Abschiedsrede (15:12-13). Wir sehen hier also die überwältigende, sich wiederholende, kreisförmige Betonung der Liebe. Wenn wir in der Liebe versagen, versagen wir auch in allen anderen Dingen!

Es ist erwähnenswert, dass die Liebe an die von Johannes verwirklichte Eschatologie gebunden ist. Jesus gibt ein Gebot: Zu lieben, das zum ewigen Leben führt. Am Ende eines jeden Tages und in jedem Augenblick gibt es für Johannes nur eine Frage, die man sich stellen muss: „Auf welche Weise habe ich heute geliebt oder nicht geliebt?“

Die Liebe erweitert unseren Horizont. Je mehr seine Liebe in uns Wurzeln schlägt, desto mehr lieben wir die Dinge und die Menschen, die er liebt. Wir beginnen, Gottes Prioritäten in eigenem Leben zu finden. Wir sehen, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Bescheidenheit und beginnen alle Menschen zu lieben, die er liebt – sogar unsere Feinde. Liebe erweitert unsere Herzen und unseren Verstand.

Liebe ist hier mehr als ein Gefühl. Es geht darüber hinaus darum, dass wir sein Wort bewahren und auch tun. Das heißt: Gott zu lieben und seine Gebote zu halten. Liebe und Gebote halten gehen zusammen. Wenn ich jemanden liebe, dann höre ich auf das, was er sagt, und folge seinem Rat.

Die Person der Liebe: (Paraklet, Geist Gottes)

Jeder, der versucht, die Gebote Gottes zu halten, wird merken, dass er an seine Grenzen kommt. Man schafft das alles nicht allein und das weiß Jesus auch. Deswegen sagte er zu den verängstigten und verunsicherten Jüngern, dass er sie nicht „verwaisen“ lassen würde. „Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleibt“ (Joh14:16).

Jesus nennt den Geist „einen anderen Paraklet (Beistand)“, was davon ausgeht, dass der erste BeistandJesus selbst ist (John 14:16). So haben wir gleichsam zwei Helfer: Hier auf der Erde den Heiligen Geist und oben beim Vater Jesus Christus. Dieses Wissen ist für uns ein großer Trost.

Jesus und der Geist haben einige ähnliche Funktionen. Zum Beispiel: Jesus und der Geist kommen beide vom Vater und sind in die Welt gesandt. Jesus teilt mit, was er von seinem Vater empfangen hat und der Geist verkündet, was er von Jesus empfangen hat (Joh 7:17; 16:13). Dieser Beistand ist der Heilige Geist. Er tröstet und ermutigt uns. Der Heilige Geist ist unser Helfer und unser Anwalt. Jesus schickt uns diesen Helfer, wenn wir ihn lieben und seine Gebote halten.

Bei seinem Weggang wird von Jesus seinen Jüngern der Geist gegeben und sie werden von Lehrlingen zu vollwertigen, reifen Offenbareren der Liebe Gottes. Wenn Jesus sich uns offenbart, kommt Klarheit in unser Leben. Wir erfahren seine Gegenwart in uns. Er ist das Licht in unserem Leben. Und dies geschieht nicht nur mit den ersten Jüngern, sondern mit all jenen, die später kommen werden, die den Jesus in menschlicher Gestalt nie gesehen haben. Der Evangelist besteht darauf, dass die heutigen Gläubigen im Vergleich zu den ersten Gläubigen keinen Nachteil haben. Alles, was ihnen gelehrt wurde und was sie erlebt haben, steht uns in gleichem Maße reichlich zur Verfügung.

Liebe Freunde, wir müssen offen sein für den Heiligen Geist, unseren Parakleten. Der Zweck des innewohnenden Heiligen Geistes ist es, uns zu helfen, zu Reife und Ganzheit zu wachsen. Gott, der Heilige Geist, hilft uns, die Wahrheit über uns selbst zu sehen, die Blockaden zu erkennen, die unser Wachstum verhindern, und ihm zu erlauben, uns zu wandeln. Der Heilige Geist kommt uns zu Hilfe und gibt uns die Kraft, schwierige und schmerzhafte Entscheidungen zu treffen. Öffnen wir unseren Geist und unser Herz, um ihn zu hören und seinen Anweisungen zu gehorchen, zu können. Amen.

Suandei nus per plascher sin: