Gedanken zur Marienandacht 10.05.2020

„Siehe deine Mutter“

Eine sehr ergreifende Szene haben wir aus dem Johannesevangelium so eben gehört. Maria, die Mutter von Jesus steht unter dem Kreuz, und hilflos muss sie mit anschauen, wie ihr Sohn stirbt. Eine tiefe Liebe ist zwischen dem Sohn und der Mutter spürbar und trotz seiner eigenen Hilflosigkeit sorgt Jesus noch in den letzten Minuten seines Lebens für seine Mutter. Es war die letzte Pflicht Jesu als einziger Sohn, seine Mutter jemandem anzuvertrauen, der in Sicherheit ist.

Unter dem Kreuz sah Jesus seine Mutter mit Maria von Magdala und dem Apostel, den Jesus liebte, dort stehen. Er vertraut sie Johannes, seinem Lieblingsjünger an. Siehe, deine Mutter, siehe dein Sohn.

Der Ausdruck: „Der Apostel, den Jesus liebte“, hat hier eine symbolische Bedeutung, das heißt, wir alle sind Jünger, die Jesus liebt. Und die letzte Botschaft vom Kreuz an jeden Jünger, den Jesus liebt, ist diese: Hier ist deine Mutter. Der Evangelist Johannes erzählt von jener Stunde, in der der Jünger Maria in sein eigenes Haus aufnahm. Es ist die Pflicht eines jeden Jüngers, der von Jesus geliebt wird, Mutter Maria in seinem eigenen Haus aufzunehmen. 

Im Lukasevangelium hören wir die Verkündigung des Engel Gabriel an Maria. Der Engel Gabriel traf Maria und sagte, „du wirst ein Kind empfangen“, dann übergab Engel Gabriel fünf Verheißungen an Maria:

1) Er wird gross sein.

2) Er wird der Sohn des Höchsten genannt. 

3) Er empfängt den Thron seines Stamm-Vaters David. 

4) Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen. 

5) Seine Herrschaft wird kein Ende haben.

Ob Maria sich dessen bewusst gewesen ist, als sie beim Besuch des Engels Gabriels sagte: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du gesagt hast?“ (Lk 1:38). Sicher hat Maria damals nicht damit gerechnet, dass sie so wird leiden müssen.

Wir sehen in der Bibel, dass Maria an dem Tag, an dem sie die Verkündigung annahm, alle möglichen Leiden durchgemacht hat. Alle Arten von Einsamkeit, Ablehnung, Schmerz. Sie wird von anderen verspottet und mit allen Arten von Erniedrigung konfrontiert. Und doch sind es genau dieses Leid und dieser Schmerz, die Maria mit uns verbinden. Maria ist eine Frau aus dem Volke, eine Frau, die sich gefreut hat, die bestimmt auch gelacht hat, aber auch eine Frau, die Schmerz und Tränen kennt.

Am Ende stand Maria unter dem Kreuz auf dem Berg Golgatha. Sie folgte dem Willen Gottes bis zum Ende des Lebens ihres Sohnes. Unter dem Kreuz hatte sich Maria an alle Verheißungen, die der Engel Gabriel gegeben hat, erinnert. Er wird groß sein. Jetzt wird er sterben. Er wurde als ein Verbrecher behandelt, beleidigt, gegeißelt, verwundet und verspottet. Mit Dornen gekrönt, trug er das Kreuz auf den Kalvarienberg, und starb grausam. Dieses hatte Maria auch in ihrer Seele erfahren. Sie hat es getan, weil sie verstanden hat, dass die Passion und Kreuzigung Jesu der einzige Weg zu unserer Erlösung ist. Trotz all dieser Qual glaubte sie die Worte des Engels: „Er wird einmal groß sein“.

Jesus sah die Tränen in ihren Augen. Er wusste: Maria war die erste, die die frohe Botschaft hörte, und die erste, die mir nachfolgte. Ihr ganzes Leben war mir gewidmet und half mir, meine Sendung auf jede mögliche Weise zu erfüllen. Sie war immer bei mir in all meinen Schmerzen und Leiden. Was habe ich als Sohn Gutes für sie getan, nur Schmerz und Qualen?

Vor dem Sterben am Kreuz wollte Jesus noch ganz herzlich seine Liebe zur Mutter zum Ausdruck bringen. Ein Geschenk für Maria! Dadurch werden alle Generationen an ihre Lebensweise und ihre Hingabe erinnert. Mit dem Gedanken: Frau, du wirst von allen Generationen als Mutter gerufen werden! Sagte Jesus: „Siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe deine Mutter” (Joh 19:27).

Am Kreuz hat Jesus uns allen ein wunderbares Geschenk gegeben: Die heilige Maria, seine Mutter, die auch unsere Mutter sein will, und die uns in Liebe zu Jesus Christus ihrem Sohn führen will. Amen.

Suandei nus per plascher sin: